Wie eine 25-jährige Studentin die Kirche verändern möchte

16.05.2021 Mit einer Studentin an der Spitze ihrer Synode will die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ihren Zukunftssorgen begegnen. Anna-Nicole Heinrich setzt auf Kreativität sowie einen Fokus auf junge Menschen. Dabei bleibt sie realistisch.

Anna-Nicole Heinrich, Präses der 13. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Foto: Sebastian Gollnow/dpa/aktuell © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die frisch gewählte Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, rät der Kirche angesichts von Mitgliederschwund und Sparzwängen zur Konzentration auf ihre Stärke, die Arbeit für Gott und den Menschen. Im diakonischen und seelsorgerlichen Bereich mache die Kirche eine gute, auch in der Breite sichtbare Arbeit, sagte Heinrich der Deutschen Presse-Agentur. Dies gelte auch für die Kinder- und Jugendarbeit. Solche für die Zukunft wichtigen Bereiche habe die Kirche bereits identifiziert. «Denn wir werden die Kirche umbauen müssen, wir werden kleiner werden, es gibt einen klaren finanziellen Rahmen. Das werden wir aktiv in unseren Zukunftsprozessen gestalten.»

Überraschend hatte die EKD-Synode vor einer Woche die 25 Jahre alte Regensburger Philosophiestudentin in das Spitzenamt der Präses, der Vorsitzenden des Kirchenparlaments, gewählt. «Da bin ich ganz zuversichtlich, dass ich jetzt auch in dieser mutigen Kirche, die etwas wagt, eine Rolle spielen darf und mitgestalten werde», sagte Heinrich. «Und ich glaube auch, dass die letzten Monate der Corona-Pandemie da auch noch Mal Prioritäten verschieben könnten und Drive in gewisse Themen bringen.»

Die Kirche müsse von der in der Corona-Krise bewiesenen Kreativität, die Menschen auf neuen digitalen Wegen zu erreichen, für die Zukunft profitieren, sagte Heinrich. «Für unsere Zukunftsprozesse der Kirche müssen wir diese Disruption nutzen und - wenn jetzt alles wieder hochfährt - nicht zum Programm A zurückkehren. Wir wollen genau reflektieren, was wir Positives mitnehmen aus der Zeit, auch an Angeboten und Formaten. Und was vielleicht auch sein Zeitliches gesegnet hat, was es vorher immer gab und was nach dieser Zeit weniger relevant erscheint.»

Eine der Herausforderungen der Kirche kennt die neue Präses aus ihrer Biografie heraus. Wie eine steigende Zahl junger Menschen bekam sie den Glauben nicht von den Eltern mitgegeben, sondern fand über den Religionsunterricht den Weg dorthin. «Wir können nicht mehr davon ausgehen können, dass Menschen einfach christlich sozialisiert werden. Da müssen wir eben auch neue Wege finden, auch zu einem späteren Zeitpunkt für die Geschichten zu begeistern und danach auch Begeisterung für die Reflexion darüber zu wecken.»

«Bei mir hing es tatsächlich auch ganz viel an Personen wie Religionslehrern in der Grundschule, später dem Religionspädagogen, der Lehrer war, aber eben auch Gemeindepädagoge und somit auch eine gute Brücke war, von dem, was wir in der Schule besprochen haben und dann in der Kinder- und Jugendarbeit auch ausprobiert und getan haben.» Hier gelte es insbesondere nach der Corona-Pandemie zu investieren. «Da werden wir auch einen Schwerpunkt setzen müssen, jetzt auch gerade nach den letzten Monaten, in denen auch Kinder- und Jugendarbeit kaum stattfinden konnte, zumindest nicht in den herkömmlichen Formen.»

Hoffnung setzt Heinrich auf die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche, die in ihrem Glückwunsch die Wahl der jungen Frau in das Spitzenamt als Ansporn für junge Menschen bezeichnete, sich in der Kirche zu engagieren. Sie sei eng verbunden mit den katholischen Geschwistern, aber auch mit anderen christlichen Gemeinschaften, und setze auf eine Zusammenarbeit. «Ich mache mit allen tolle Erfahrungen, und ich hoffe, dass wir das gemeinsam in die Zukunft tragen können.»

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