Bremer SPD wählt Reinhold Wetjen zum Vorsitzenden

12.06.2021 Vor zwei Jahren wäre die Bremer Langzeit-Regierungspartei SPD fast abgewählt worden. Für die kommenden Wahlen stellt sich die Partei neu auf - setzt aber nicht auf ihren prominentesten Namen.

Bremer SPD-Politiker Reinhold Wetjen. Foto: ---/Selin-Ece Arpacz/SPD Bremen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die regierende SPD in Bremen hat sich bei einem Parteitag auf die kommenden Wahlkämpfe eingestimmt. Zum neuen Vorsitzenden des Landesverbandes wurde Reinhold Wetjen (68) gewählt, der in der Partei den Ruf eines guten Wahlkampforganisators hat. «Ich will, dass Bremen und Bremerhaven weiter sozial bleiben», sagte Wetjen am Samstag in seiner Bewerbung.

Bürgermeister Andreas Bovenschulte, der prominenteste Bremer SPD-Politiker, richtete den Blick auf die Bundestagswahl im September. Er rief zu energischer Unterstützung für den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz auf. Die Regierungsarbeit im Land Bremen könne nur so gut sein, wie die vom Bund gesetzten Rahmenbedingungen es zuließen. «Mit einem Kanzler Olaf Scholz würden wir die Rahmenbedingungen noch einmal deutlich verbessern», sagte er über den Bundesfinanzminister und Vizekanzler. «Er kann Kanzler.»

Bovenschulte unterstrich die Erfolge des kleinsten Bundeslandes bei der Corona-Bekämpfung. Als erstes Land habe Bremen mehr als die Hälfte seiner Bürgerinnen und Bürger einmal geimpft, sagte er. In den Schulen habe es trotz Corona nirgendwo so viel Präsenzunterricht gegeben wie in Bremen.

Die seit Gründung des Bundeslandes Bremen regierende SPD war bei der Landtagswahl 2019 erstmals auf den zweiten Platz hinter der CDU zurückgefallen. Sie hielt sich aber durch eine Koalition mit Grünen und Linkspartei an der Regierung.

Nach der Wahl sei vor der Wahl, sagte Wetjen. «Die SPD muss wieder stärkste Partei im Land werden», gab der neue Landeschef als Ziel aus. Von den 140 Delegierten wurde der ehemalige Berater für Kommunalunternehmen mit 81,4 Prozent Zustimmung gewählt. Es gab 114 Jastimmen bei 15 Gegenstimmen und 11 Enthaltungen.

Der Wechsel an der Parteispitze war notwendig, weil die bisherige Vorsitzende Sascha Karolin Aulepp Bildungssenatorin werden soll. Die Juristin wurde vom Parteitag mit großer Mehrheit nominiert, sie muss noch von der Bremischen Bürgerschaft bestätigt werden.

Aulepp sagte, sie wolle als Sozialdemokratin Lobbyarbeit für Kinder und Jugendliche leisten. «Wir können und werden nicht akzeptieren, dass Corona-bedingt Schülerinnen und Schüler hinten runterfallen und sich das durch ihr ganzes Leben zieht», sagte sie. Die frühere Bildungssenatorin Claudia Bogedan wechselt als Geschäftsführerin zur gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Im April hatte sich die Bremer SPD intern geeinigt, dass nicht Bovenschulte das Parteiamt übernimmt, sondern Wetjen. Der interne Reformprozess nach der Fast-Niederlage von 2019 soll maßgeblich auf Wetjen zurückgehen. Die Zeitung «Weser-Kurier» charakterisierte ihn als «eine Art grauer Eminenz» der Bremer SPD.

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