Islamkolleg soll Imame auf Arbeit in Deutschland vorbereiten

15.06.2021 Seit Jahren wurde um eine Ausbildung von islamischen Geistlichen in Deutschland gerungen. Nun gibt es ein solches Kolleg - Bund und Land geben Geld, aber für die inhaltliche Ausrichtung stehen verschiedene muslimische Gemeinden und Verbände.

Bülent Ucar, Theologe und wissenschaftlicher Direktor des Islam-Kollegs, schaut in die Kamera. Foto: Lino Mirgeler/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit einem Festakt ist am Dienstag in Osnabrück das erste staatlich geförderte Institut zur Ausbildung islamischer Geistlicher eröffnet worden. «Unser Wunsch ist, dass dieser Tag eine Wende herbeiführt in der Ausbildung von religiösem Betreuungspersonal in Deutschland und wir dauerhaft in die Ausbildung hier in Deutschland einsteigen können», sagte der wissenschaftliche Direktor des Islamkollegs Deutschland (IKD), Bülent Ucar.

Der für die Islamkonferenz zuständige Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Markus Kerber, betonte, dass spätestens seit der Zuwanderung von Flüchtlingen im Jahr 2015 die islamische Gemeinschaft in Deutschland so vielfältig wie in keinem anderen Land Europas sei. «Das Ausbildungsprogramm des IKD ist selbstbewusst deutsch und islamisch im Sinne eines Islams, der in unserer Gesellschaft verwurzelt ist, die Werte unseres Grundgesetzes teilt und die Lebensarten unseres Landes achtet.» Er hoffe, dass in einigen Jahren die Strahlkraft des Kollegs auch in muslimisch geprägte Länder in aller Welt reiche.

Altbundespräsident Christian Wulff, Kuratoriumsvorsitzender des IKD, nannte das Ausbildungskolleg eine großartige Sache: «Es ist ein wichtiger Schritt, ein notwendiger Baustein im Gesamtkonzept der vollen Gleichberechtigung der Muslime in unserem Land.» Das werde von den Muslimen auch so verstanden. Für die Mehrheitsgesellschaft sei das Islamkolleg ein wichtiges Signal des gleichberechtigten Miteinanders in Deutschland.

Das Islamkolleg Deutschland wurde von muslimischen Gemeindeverbänden, Theologen, Wissenschaftlern und muslimischen Personen des öffentlichen Lebens Ende 2019 gegründet. Sie stehen für die religiöse Ausrichtung des Instituts, in das sich der Staat nicht einmischen will. Zu den Gründungsmitgliedern gehören unter anderem die Muslime in Niedersachsen, die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland, der Zentralrat der Marokkaner in Deutschland, der Zentralrat der Muslime in Deutschland, ebenso islamische Theologinnen und Theologen und prominente muslimische Persönlichkeiten. Nach eigenen Angaben wird es vom Bund mit rund fünf Millionen Euro gefördert und vom Land Niedersachsen mit rund 500 000 Euro. Der erste Ausbildungsgang besteht aus mehr als 50 Kollegiatinnen und Kollegiaten.

Allerdings unterstützen nicht alle muslimischen Verbände die Ausbildungsstätte. Etwa die türkische Ditib hatte im vergangenen Jahr ein eigenes Ausbildungszentrum in der Eifel gegründet.

Er sei dennoch überzeugt, dass die Moscheegemeinden künftig die Absolventen des Islamkollegs akzeptieren werden, sagte Abderrahim En-Nosse für den Zentralrat der Marokkaner in Deutschland. Das Kolleg müsse noch bekannter werden. «Die spirituelle und religiöse Ausbildung hat hiermit auch ein deutsches Gütesiegel», sagte er. Er sei überzeugt, dass die Absolventinnen und Absolventen im Anschluss auch Arbeit finden würden.

Der niedersächsische Wissenschafts- und Kulturminister Björn Thümler sagte, das Kolleg ermögliche religiöse Vielfalt auf der Basis des Grundgesetzes. Der Staat reiche seine helfende Hand. «Ich glaube, dass es für die Zusammenarbeit, für das Zusammenleben der Muslime in Deutschland ein fundamental wichtiger Tag ist.» Damit sei das Anerkenntnis des Staates verbunden, dass die Religionsausübung der Muslime einen echten Mehrwert darstelle, sagte der CDU-Politiker.

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