Wachmann von Kriegsgefangenenlager im Visier der Ermittler

21.06.2021 Ein ehemaliger Aufseher des Kriegsgefangenenlagers Bathorn steht im Verdacht, im Zweiten Weltkrieg Beihilfe zum Mord geleistet zu haben. Der heute 95-Jährige lebt nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Celle in Bayern.

«Polizei» steht auf der Uniform eines Polizisten. Foto: Jens Büttner/zb/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Generalstaatsanwaltschaft Celle ermittelt gegen einen früheren Aufseher in einem Lager für sowjetische Kriegsgefangene im heutigen Landkreis Grafschaft Bentheim. Der Beschuldigte sei 95 Jahre alt und lebe derzeit in Bayern, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde. Über die Ermittlungen wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord hatte zunächst die «taz» («die tageszeitung», Montag) berichtet.

Dem Mann wird zur Last gelegt, zwischen dem 26. Oktober 1943 und der Befreiung des Lagers am 5. April 1945 Dienst im Stalag VI C Bathorn versehen zu haben. Es befand sich nahe dem Dorf Hoogstede-Bathorn. Dort sind nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft insbesondere sowjetische Kriegsgefangene in großer Zahl zu Tode gekommen.

Dem Verfahren gingen der Zeitung zufolge mehr als zwei Jahre Vorermittlungen der Zentralen Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg (Baden-Württemberg) voraus. Die Ermittlungen seien Ergebnis einer veränderten Rechtssprechung, sagte der Leiter der Zentralen Stelle, Thomas Will, der «taz». «Wir meinen, dass die verheerenden Bedingungen in Konzentrationslagern und manchen Gefangenenlagern vergleichbar sind.»

Das Verfahren wurde von der Staatsanwaltschaft Osnabrück an die Generalstaatsanwaltschaft Celle abgegeben. Diese hat in den vergangenen Jahren bereits mehrere ähnlich gelagerte Fälle übernommen, weil sie einen Experten auf diesem Gebiet hat.

Zuletzt waren Ermittlungen gegen einen aus den USA abgeschobenen 95-Jährigen eingestellt worden, der als Wachmann eines Nebenlagers des Konzentrationslagers Neuengamme eingesetzt war. Bei seiner Vernehmung in den USA hatte er eingeräumt, einige Wochen im Raum Meppen Gefangene bewacht zu haben. Misshandlungen oder Todesfälle habe er nicht beobachtet. Diese Einlassung könne dem Beschuldigten nicht widerlegt werden, erklärten die Celler Ermittler Ende 2020.

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