Baustart der neuen Friesenbrücke steht bevor

15.07.2021 Die Kollision eines Frachters mit der Friesenbrücke änderte vor mehr als fünf Jahren das Zusammenleben an der Ems in Ostfriesland. Lange wurde um einen Ersatz für die zerstörte, aber dringend benötigte Verbindung gerungen - nun stehen die Signale auf Grün.

Ein Blick auf die bei einer Kollision zerstörte Friesenbrücke über die Ems. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Lange mussten Anwohner und Reisende an der Ems warten, nun soll sich an der zerstörten Friesenbrücke bei Weener im Kreis Leer endlich etwas tun. Für diesen Freitag haben sich Vertreter aus der Politik und von der Bahn angekündigt, um mit einem symbolischen Festakt den Baustart der neuen Friesenbrücke einzuläuten. Entstehen soll die größte Eisenbahn-Hub-Drehbrücke Europas. Erwartet werden unter anderem Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU), Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla und der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU).

Der niederländische Frachter «Emsmoon» hatte die geschlossene insgesamt 335 Meter lange Klappbrücke im Dezember 2015 gerammt und weitgehend zerstört. Die Verbindung für Fußgänger, Radfahrer und den Bahnverkehr, eine wichtige Lebensader der Region, ist seitdem unterbrochen. Wer aus Weener westlich der Ems oder Westoverledingen östlich der Ems über den Fluss möchte, muss Umwege in Kauf nehmen.

Bis der erste Zug über die neue Brücke rollt und die Kreisstadt Leer wieder mit den Niederlanden verbindet, müssen sich Anwohner und Zugreisende aber noch gedulden. Der Plan sieht vor, den grenzüberschreitenden Bahnverkehr zum Fahrplanwechsel 2024/2025 aufzunehmen. Nach Bahn-Angaben liegt das Bauvorhaben im Zeitplan. Zunächst sollen ab Oktober die alten Brückenelemente und Pfeiler im Flussbett abgetragen werden, der eigentliche Brückenneubau soll dann im April 2022 beginnen.

Für den Landrat des Kreises Leer, Matthias Groote, steht mit dem Baustart bereits der erste sichtbare Schritt für den Neubau der Friesenbrücke an. «Der Spatenstich kommt im Europäischen Jahr der Schiene und im Kontext der geplanten und bereits angeschobenen Wunderline-Projekte zur richtigen Zeit», teilte der SPD-Politiker am Donnerstag mit. «Wichtig ist es - und das betone ich mit Nachdruck - nunmehr mit aller Kraft dafür zu sorgen, dass es zu keinen Verzögerungen kommt und die veranschlagte Bauzeit eingehalten wird, damit wir im Jahr 2024 die Inbetriebnahme feiern können.»

Lange wurde um die passende Brücken-Variante gerungen. Zunächst war eine Reparatur der Klappbrücke im Gespräch. Dann schlug die Meyer Werft einen modernen Neubau als Drehbrücke vor. Die neue Brücke, über die auch ein Fuß- und Radweg führen wird, soll nun ein 145 Meter langes, bewegliches Brückenteil haben, das auf einem Drehpfeiler ruht. Binnen sieben Minuten soll sich so die Brücke für Frachter und die Kreuzfahrtschiffe der Papenburger Meyer Werft öffnen.

Ein deutlicher Wermutstropfen sind die gestiegenen Baukosten des neuen Bauwerks: Wie kürzlich bekannt wurde, gehen die Planer nun von bis zu 125 Millionen Euro Investitionen aus - zuvor waren mit 66 Millionen die Kosten gerade einmal halb so hoch kalkuliert worden. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Victor Perli hielt angesichts der Kostensteigerung eine rechtzeitige Fertigstellung der Brücke bis 2024 zuletzt für unwahrscheinlich. «Die Bahn hat mit einer so großen Drehbrücke keine Erfahrung», lautete kürzlich seine Kritik.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News