Warnsystem soll verbessert werden: Alarmsirene?

20.07.2021 Viele Sirenen wurden im Zuge der Digitalisierung abgebaut. Heutzutage weiß längst nicht jeder, vor welcher Gefahr welcher Sirenenton eigentlich warnt. Das soll sich - auch nach den Erfahrungen der Hochwasserkatastrophe - wieder ändern.

Innenminister Boris Pistorius spricht in Oldenburg. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa/archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Katastrophenschützer und Politiker wollen zur effektiveren Warnung im Ernstfall die Alarmsirenensysteme wieder aufbauen und reaktivieren. Von den vor Jahrzehnten überall installierten Sirenen seien noch 20 bis 30 Prozent vorhanden, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Dienstag.

Künftig brauche man moderne Sirenen, über die auch Lautsprecherdurchsagen gemacht werden könnten. Außerdem sei die Bevölkerung in Deutschland «gefahrenentwöhnt». Die Menschen müssten wieder lernen, wie sie sich bei welchem Sirenenton und bei welcher Gefahrenlage verhalten müssten. In Japan bekomme das jedes Kind beigebracht.

Der Landesfeuerwehrverband Niedersachsen verwies ebenfalls darauf, dass moderne Sirenenanlagen nötig seien, die auch in Gebäuden mit den heute üblichen Mehrfach-Fensterverglasungen zu hören seien. Bei alten Luftschutzsirenen sei das nicht immer der Fall. Vorstellbar sei obendrein eine höhere Sirenendichte. Es gehe um Bevölkerungsschutz, was aus Sicht von Verbandspräsident Olaf Kapke vollständig vom Bund zu finanzieren ist.

Notwendig sei zudem der Aufbau einer bundeseinheitlichen Warn-App, die auf Smartphones vorinstalliert sein müsse und vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe betrieben wird. Die jetzigen Warn-Apps würden teilweise auch zur Informationen über Straßensperrungen genutzt.

Eine solch niedrige Warnschwelle kann nach Auffassung Kapkes, der Kreisbrandmeister im Kreis Helmstedt ist, kontraproduktiv sein: «Wenn Sie so was dann tagtäglich auf mehreren Apps erhalten und das Smartphone die ganze Zeit vibriert, dann schauen Sie oft nicht mehr regelmäßig drauf.»

Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund (NSGB) betonte, es sei Aufgabe aller Katastrophenbehörden, die Bevölkerung im Gefahrenfall zu warnen. «Hierzu gibt es auch in Niedersachsen ein gutes System, das aber vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse bestimmt angepasst werden muss. Dabei brauchen wir aber auch massive Hilfe des Bundes», sagte NSGB-Sprecher Thorsten Bullerdiek.

Die vom Bund in Aussicht gestellten 90 Millionen Euro seien da «nur ein Tropfen auf dem heißen Stein». Allein mit Sirenen sei es aber nicht getan. «Wir brauchen mehrsprachige Warnungen, Übungen und Schulungen.» Die Vernetzung der besten Systeme werde daher einiges mehr als 90 Millionen Euro kosten.

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