Eine neue Oper für Düsseldorf: Standortsuche kann beginnen

11.03.2021 Düsseldorf will nicht den Fehler Kölns machen. Lieber eine neue Oper bauen, als mit einer Langzeitsanierung ein Kosten-Desaster produzieren. Mit einer neuen Oper hofft Düsseldorf auch auf neuen kulturellen Glanz.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller steht am Fleher Deich. Foto: Jonas Güttler/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt soll ein neues Opernhaus bekommen. Dafür sprach sich Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) am Donnerstag nach der Vorstellung von Konzepten für einen Neubau oder eine Sanierung des denkmalgeschützten Bestandsgebäudes aus. Der Neubau solle noch in dieser Wahlperiode auf den Weg gebracht oder begonnen werden. Die neue Oper müsse zentral liegen und dürfe nicht nur abends geöffnet sein. «Wir brauchen eine Oper, die für viele Menschen in der Stadt zugänglich ist», sagte Keller.

Eine endgültige Entscheidung über den Neubau muss noch getroffen werden. Dabei sollen auch die Bürger umfassend beteiligt werden. Keller machte aber klar, dass er einen Neubau auch aus wirtschaftlichen Gründen bevorzugt. «Selbst bei einer erweiterten Sanierung erreichen wir nicht den Standard, der mit einem Neubau möglich wäre», sagte Keller. Ein modernes Operngebäude habe auch andere Funktionen, die das derzeitige Haus nicht vorweisen könne. Auch wenn Düsseldorf kulturell konkurrenzfähig bleiben wolle, gehe das nur mit einem Neubau. «Es hat sich einfach die Welt weitergedreht.»

Das derzeitige denkmalgeschützte Düsseldorfer Opernhaus aus der Nachkriegszeit ist ein jahrelanger Sanierungsfall. Das Hinterhaus der Oper stammt noch aus dem Jahr 1875, als das Gebäude als Stadttheater errichtet worden war. Derzeit liegt die Oper am Hofgarten in der Innenstadt.

Ein Neubau an einem alternativen Ort würde nach Schätzungen rund 636 Millionen Euro kosten, ein Neubau am bisherigen Standort sogar mehr als 700 Millionen Euro. Auch eine erweiterte Sanierung wäre kostspielig und könnte bis zu 650 Millionen Euro kosten.

Die Landeshauptstadt will mit den Neubau-Plänen wohl auch ein Kosten-Desaster wie bei der Sanierung der Kölner Bühnen vermeiden. In Köln dauert die Sanierung nach jüngsten Angaben neun Jahre länger als ursprünglich geplant. Die Gesamtkosten drohen bis auf rund 644 Millionen Euro zu steigen. Als die Sanierung 2012 begann, hatte man mit 250 Millionen Euro geplant.

Eine Zusammenlegung der Oper mit dem Schauspiel kommt nach Worten von Düsseldorfs Kulturdezernent Hans-Georg Lohe nicht in Frage. Schon im nächsten Jahr könne es einen Architektenwettbewerb für einen Neubau geben. «Wir sehen eine große Chance in einem Neubau des Opernhauses», sagte er. Eine Arbeitsgruppe solle nach geeigneten Standorten und einer Ersatzspielstätte suchen. Schon Ende des Jahres könnte eine Grundsatzentscheidung getroffen werden.

In den vergangenen Jahren waren bereits rund zehn Millionen Euro in die Opernsanierung gesteckt worden. Das Haus weist nach Ansicht der Expertenkommission viele Mängel auf: Es fehlten eine zweite Seitenbühne, Probesäle und Lagerplatz. Das Foyer sei nicht dauerhaft als Versammlungsstätte genehmigt, das Haus sei nur eingeschränkt barrierefrei und erfülle nur teilweise Brandschutz- und Arbeitsstättenrichtlinien. Die Bühnentechnik sei veraltet, das Gebäude habe sogar noch eine alte Dampfheizung. Ein langfristiger Weiterbetrieb wäre nach Ansicht der Experten nur nach einer Komplettsanierung möglich. Das aber wäre eine «wahre Blackbox», sagte Keller und warnte vor den den wirtschaftlichen Risiken.

Der Architekten- und Ingenieurverein (AIV) Düsseldorf befürwortete den Opernneubau. Die Empfehlung der Kommission sei «ein Befreiungsschlag in der langanhaltenden Diskussion und eine große Chance für Düsseldorf». Nun müsse zügig ein geeigneter Standort gefunden werden.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News