Tod durch Beruhigungsmittel: Pfleger räumt größere Dosis ein

26.04.2021 Ein Patient in einer psychiatrischen Klinik in Viersen stirbt an einer Überdosis Beruhigungsmittel. Ein Pfleger soll sie ihm verabreicht haben - und steht nun vor Gericht. Der Verteidiger erklärt, dass der Pfleger an seiner Belastungsgrenze war.

Der angeklagte Pfleger (l) wartet im Gerichtssaal mit seinem Anwalt Markus Kluck auf den Beginn seines Prozesses. Foto: Roland Weihrauch/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ein wegen Totschlags angeklagter früherer Pfleger einer psychiatrischen Klinik hat zum Prozessbeginn eingeräumt, einem unruhigen Patienten eine höhere Dosis Beruhigungsmittel als verordnet gegeben zu habe. «Ich hatte ihm etwas mehr gegeben als verordnet, um ihn ruhig zu stellen», sagte der examinierte Pfleger am Montag vor dem Landgericht Mönchengladbach. Den Tod des Patienten habe er nie gewollt. Der Kranke war auf der Orthopädiestation der Klinik, weil er sich ein Gelenk ausgekugelt hatte.

Der 64-jährige Deutsche steht seit Montag vor Gericht. Er muss im Fall einer Verurteilung mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen. In Untersuchungshaft ist er nicht. Der Prozess beginnt drei Jahre nach dem Vorfall in der Klinik in Viersen: Der an paranoider Schizophrenie leidende Patient lag am Morgen des 27. Aprils 2018 tot im Bett der Klinik. Eine Untersuchung ergab als Todesursache eine erhebliche Vergiftung mit einem Beruhigungsmittel. Die Anklage wirft dem Mann vor, bewusst die Höchstdosis überschritten zu haben.

Der Angeklagte, mit grauem Vollbart und grauem Haupthaar, sagte am ersten Prozesstag ruhig und ausführlich aus. Er war mehr als 20 Jahre in der Klinik und eine Woche nach dem Tod des Patienten entlassen worden. Der Kranke war dort seit 1994 auf Anordnung des Landgerichts Duisburg.

In dieser Nacht sei der Patient sehr unruhig gewesen, erzählte der Pfleger: «Er stand dauernd auf, verlangte alles Mögliche, nässte sich ein und urinierte ins Zimmer». Der Verteidiger meinte, sein Mandant sei in der Nacht an seine Belastungsgrenzen gestoßen. Er sei allein und nicht wie sonst mit einem weiteren Kollegen zuständig gewesen.

Möglicherweise habe der Patient sich selbst die Überdosis verabreicht, sagte der Pfleger. Die Flasche sei im Zimmer offen zugänglich gewesen. Im Blut des Toten war die 39-fache Menge der zulässigen Höchstdosis des Medikaments nachgewiesen worden. Für den Prozess sind noch drei Verhandlungstage eingeplant.

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