Kritik an NRW-Impffahrplan: Bestatter fühlen sich vergessen

06.05.2021 Weitere Berufsgruppen bekommen jetzt ein Impfangebot gegen Corona. Dabei sind insbesondere die Verkäuferinnen der Supermärkte. Die Nachfrage nach Impfterminen ist immens. Andere Berufsgruppen der Prio-Stufe 3 müssen aber weiter warten. Das sorgt für Kritik.

Ein Bestatter schiebt einen Sarg in einen Leichenwagen. Foto: Armin Weigel/dpa/Symbol © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Impffahrplan von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ist von verschiedenen Branchen kritisiert worden. Sowohl die Logistikbranche mit ihren vielen Lkw-Fahrern als auch die Bestatter, die Corona-Tote auf dem letzten Weg begleiten, sehen sich beim Start in der Priorisierungsstufe 3 vergessen. Die Nachfrage nach den jetzt freigegeben Terminen in den Impfzentren ist bei den ausgewählten Berufsgruppen und Kontaktpersonen immens, wie die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein erklärt. Das Buchungssystem sei aber am Donnerstag trotz eines Ansturms stabil geblieben.

Lkw-Fahrer, Lagerarbeiter und Disponenten werden nach Auffassung der Verkehrswirtschaft bei der Impfreihenfolge in Nordrhein-Westfalen benachteiligt. «Unsere Leute stehen für die Grundabsicherung der Gesellschaft ein», erklärte der Vorsitzende des Verbandes Verkehrswirtschaft und Logistik NRW, Horst Kottmeyer, am Donnerstag. Man drängele sich nicht um eine höhere Einstufung in der Impfreihenfolge. «Es ist für uns nur unerklärlich und enttäuschend, dass ausgerechnet in NRW – im Logistikland Nr. 1 der Bundesrepublik – Logistiker schlechter gestellt werden», betonte er. Gerade die Lkw-Fahrer seien viel unterwegs und hätten viele Kundenkontakte.

Die Corona-Impfverordnung des Bundes stufe Beschäftigte der Logistik in die Priorisierungsgruppe 3 der Impfreihenfolge ein. Nach dem Willen von Minister Laumann starte die Terminvergabe vorerst jedoch nicht für die Beschäftigten in der Logistik. Diese sollten erst zu einem späteren Zeitpunkt innerhalb der Gruppe 3 geimpft werden, kritisiert Kottmeyer. Seien die Logistiker im ersten Lockdown noch Helden des Alltags gewesen, die öffentlichen Beifall für ihren Einsatz gegen leere Supermarktregale ernteten, sei spätestens jetzt der Applaus spürbar verhallt. Auch weitere Berufsgruppen der Priorisierungsstufe 3 können in NRW noch keinen Termin buchen.

Die Bestatter sehen sich trotz erheblicher Risiken durch den Umgang mit Corona-Toten übergangen. «Wir fragen: Warum vergisst NRW wieder einmal die Bestatter – das weckt schlechte Erinnerungen an die Missachtung der Bestatter bezüglich Schutzausrüstung, Kinderbetreuung und Systemrelevanz zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020», erklärte die Spitze des Bestatterverbandes NRW am Donnerstag zum Impfstart bei einem Teil der Berufe aus der Priorisierungsgruppe 3. In zahlreichen anderen Bundesländern seien die Mitarbeiter des Bestattungshandwerks längst geimpft oder hätten zumindest ein Impfangebot bekommen.

«Da eine Infektion mit dem Covid-19-Virus – wie bei anderen Viren auch – nicht mit dem Tod endet, ist der tägliche Umgang mit infektiösen Verstorbenen ähnlich risikobehaftet wie der Umgang zwischen infektiösen Patienten und Ärzten oder Pflegern», betonten die Verbandsvertreter. Bestatter kümmerten sich um alle Menschen bei einem Todesfall: die Verstorbenen, die Hinterbliebenen, Ehepartner, Kinder, Eltern, Geschwister und Freunde. Ein Trauerfall dürfe keine Lebensgefahr darstellen, weder für Bestatter noch für Angehörige. Die Bestatter müssten zur verantwortungsvollen Ausübung ihres Berufs und im Sinne des öffentlichen Gesundheitsschutzes jetzt geimpft werden.

Seit Donnerstagmorgen können Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel und Drogerien, Lehrkräfte an weiterführenden Schulen sowie Angestellte in der Justiz und Steuerfahndung einen Termin für ein Impfzentrum vereinbaren. Das Gleiche gilt auch für Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen und Schwangeren sowie für Eltern schwer chronisch kranker Minderjähriger, die selbst nicht geimpft werden können. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums kommt für diese Personengruppen entweder der Impfstoff von Biontech oder der von Moderna zum Einsatz. Eine Wahl des Impfstoffs ist aber nicht möglich.

In den ersten gut drei Stunden nach dem Vergabestart um 8.00 Uhr am Donnerstag seien über 171 000 Termine an über 85 500 Menschen vergeben worden, teilte die Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein mit. Sie berichtete am Mittag zugleich von knapp 18 Millionen Zugriffen auf das Buchungsportal, das trotz der großen Nachfrage stabil gelaufen sei. Weitere Termine würden bereitgestellt. Impf-Interessierte hätten daher auch in den nächsten Tagen Chancen.

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