Gemeinden fordern mehr Schutz für jüdische Einrichtungen

14.05.2021 Nach anti-israelischen und antisemitischen Ausschreitungen in Nordrhein-Westfalen haben die jüdischen Gemeinden eine raschere Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen gefordert. «Sollte die Politik jetzt jedoch zu viel Zeit verstreichen lassen, um das Leben und die Sicherheit der Juden zu schützen, dann könnte es passieren, dass wir scharenweise Deutschland den Rücken zukehren - auch wenn das die meisten eigentlich nicht möchten, weil Deutschland ihre Heimat ist», sagte der Landesvorsitzende der Jüdischen Gemeinden in NRW, Oded Horowitz, in einem WDR-Interview.

Ein Polizeiwagen steht vor der Synagoge in Gelsenkirchen. Foto: Roberto Pfeil/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die jüngsten Vorfälle machten «große Angst», sagte er. «Es ist wirklich sehr verunsichernd.» Den Juden schlage Hass sowohl aus dem rechten als auch aus dem linken und dem radikal islamistischen Lager entgegen.

Von der Politik forderte Horowitz eine «Aufklärungskampagne» mit Fakten zu Israel, aber auch zu den Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Vor allem in den sozialen Medien kursierten viele Informationen, die verzerrt oder schlicht falsch seien. Überhaupt würden die Vorfälle auf den Straßen begleitet «von einer schier unglaublichen, einseitigen Kampagne gegen Israel und uns Juden in den sozialen Medien», sagte Horowitz weiter. «Viele Leute weinen einfach vor Angst und Entsetzen.»

Zugleich lobt Horowitz den Einsatz etwa von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet oder Innenminister Herbert Reul, wenn es um den Schutz jüdischer Einrichtungen gehe. Aber es müsse zügig gehandelt werden. Die Sicherheitsvorkehrungen in und vor jüdischen Einrichtungen müssten weiter erhöht werden. «Ein Zögern könnte zu noch mehr Verunsicherung unter uns Juden führen.»

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern war in den vergangenen Tagen wieder eskaliert. In NRW kam es daraufhin zu mehreren Vorfällen. In Gelsenkirchen wurde am Mittwochabend ein antisemitischer Demonstrationszug mit rund 180 Teilnehmern von einer Polizeikette nahe der Synagoge gestoppt. In einem per Twitter verbreiteten Video des Zentralrats der Juden sind Sprechchöre mit antisemitischen Inhalten zu hören. In der Nacht zum Mittwoch waren zudem vor Synagogen in Münster und Bonn israelische Flaggen angezündet worden. In Solingen verbrannten Unbekannte in der Nacht zum Donnerstag eine vor dem Rathaus gehisste israelische Flagge.

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