Früherer NRW-Innenminister Herbert Schnoor gestorben

21.06.2021 Der frühere nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Schnoor (SPD) ist tot. Er sei am Sonntag im Alter von 94 Jahren gestorben, teilte die Landes-SPD am Montag mit. Der Sozialdemokrat stand im Kabinett von Ministerpräsident Johannes Rau (SPD) 15 Jahre lang an der Spitze des Innenressorts. In Schnoors Amtszeit fiel das Geiseldrama von Gladbeck, das Deutschland 1988 tagelang in Atem hielt. Drei Menschen starben. Neben Medien und der Polizei geriet auch Schnoor als zuständiger Minister massiv in die Kritik.

Der ehemalige nordrhein-westfälische Innenminster Herbert Schnoor sitz im Garten seines Hauses. Foto: Nestor Bachmann/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte, mit dem Tod von Schnoor verliere Nordrhein-Westfalen einen hochgeschätzten und anerkannten Vollblutpolitiker und leidenschaftlichen Staatsdiener. «Er war ein besonnener und kluger Kopf, dem die Menschen in unserem Land zeit seines Lebens am Herzen lagen», erklärte der Ministerpräsident. Er verwies darauf, dass Schnoor sich für die Rechte von Asylsuchenden und Migranten stark gemacht und mit Nachdruck für die Bekämpfung von Fluchtursachen eingesetzt hatte.

Schnoor war während seiner Amtszeit auch immer wieder dafür eingetreten, dass die Polizei behutsamer mit ihrer Macht umgehen müsse. Bundesweit setzte er sich maßgeblich für eine Deeskalationsstrategie der Polizei im Umgang mit Demonstranten ein. Von konservativen Politikern wurde er heftig für diesen Kurs attackiert.

«Herbert Schnoors täglicher Einsatz für unsere Demokratie ist bis heute ein Vorbild für eine Innenpolitik, bei der die Bürgerinnen und Bürger im Mittelpunkt stehen», sagte SPD-Landeschef Thomas Kutschaty.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) erinnerte, dass der Landtag 1994 auf Betreiben von Schnoor eine Reform der Kommunalverfassung beschlossen hatte. Damit wurden die Bürgerbeteiligung gestärkt sowie die Ämter des hauptamtlichen Bürgermeisters und des hauptamtlichen Landrats eingeführt. «Viele in meinem Ministerium, die ihn noch erlebt haben, sind heute sehr traurig», sagte Reul.

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