Licht und Schatten bei Bemühungen um Artenvielfalt

10.01.2021 Anhand von 47 Indikatoren hat das Umweltministerium eine erste Bilanz zur Biodiversitätsstrategie von Rheinland-Pfalz gezogen. Bei 25 Indikatoren wird eine positive Entwicklung festgestellt, insgesamt aber ist der Trend negativ.

Eine Fledermaus der Art "Grosses Mausohr" hat das Maul weit aufgerissen. Foto: Holger Hollemann/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Bemühungen um die Erhaltung der Artenvielfalt in Rheinland-Pfalz haben in den vergangenen fünf Jahren einige Erfolge erzielt, die akute Gefährdung vieler bedrohter Arten aber nicht aufhalten können. Fünf Jahre nach der Aufstellung einer ersten Biodiversitätsstrategie in Rheinland-Pfalz hat das Umweltministerium eine erste Bilanz gezogen. In der Gesamtbetrachtung zeige sich, «dass der weltweite Trend des massiven Artenrückgangs auch in Rheinland-Pfalz messbar stattfindet», erklärte das Umweltministerium in seiner Antwort auf eine Landtagsanfrage aus der Grünen-Fraktion.

Für die erste Bilanz wurde anhand von 47 Indikatoren überprüft, wie es um die Artenvielfalt im Land steht. Dabei zeigen 25 Indikatoren in eine positive Richtung. Dazu gehört etwa die Stabilisierung der Bestände von seltenen Arten wie der Westlichen Smaragdeidechse, der Sumpfschildkröte und der Fledermausart Mausohr. Auch der Luchs sei wieder im Wald-Ökosystem zu Hause, verbucht das Ministerium auf der Erfolgsseite. Und die Flächen im Vertragsnaturschutz wurden seit 2015 von rund 15 500 Hektar um etwa 40 Prozent auf rund 24 000 Hektar im Jahr 2019 ausgeweitet.

Bei 11 Indikatoren wurden Ziele und Vorgaben teilweise erreicht. Bei 5 Indikatoren war dies nicht der Fall, bei weiteren Indikatoren reichte die Datenlage nicht für eine abschließende Bewertung aus.

Indikatoren mit nicht erreichten Zielen sind der negative Einfluss von Rehen und Hirschen auf die Waldvegetation, die Verschmutzung des Grundwassers, der Eintrag von Kunststoffen in die Umwelt, der Verbrauch von nicht erneuerbaren Rohstoffen und der Energieverbrauch.

Naturschutz vor Ort bekommt immer wieder Grenzen aufgezeigt: Negative Einflüsse aufgrund der Klimakrise machten «deutlich, dass Vorort-Maßnahmen, die erfolgreich verlaufen, von Einflüssen außerhalb von Rheinland-Pfalz konterkariert werden können», heißt es in der Antwort an den Abgeordneten Andreas Hartenfels (Grüne). Dies zeige sich etwa beim Indikator des Rebhuhn-Bestands - hier wurden das Ziel nur teilweise erreicht, da der ehemals auf vielen Äckern verbreitete Vogel weiter in seinem Bestand gefährdet ist. Auch beim Grasfrosch, der ehedem als Allerweltsart galt, gebe es einen Bestandsrückgang bis zu 90 Prozent.

Es wird geschätzt, dass es in Rheinland-Pfalz rund 40 000 Tierarten gibt - einzelne Artengruppen wie Ringelwürmer (Anneliden) oder Weichtiere (Mollusken) nicht mitgezählt. Deutschlandweit gelten 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten als bestandsgefährdet, 6 Prozent als bereits ausgestorben. Auch in Rheinland-Pfalz seien viele Arten von Amphibien, Schmetterlingen und Vögeln von einem massiven Rückgang ihrer Bestände betroffen, erklärt das Umweltministerium.

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