Rettung des Zoos Neuwied: Tierparks kämpfen ums Überleben

17.01.2021 Corona erzwingt auch die Schließung von Tierparks. Hunderte Bürger haben den größten Zoo im Land mit Spenden vorerst gerettet. Auch die Regierungschefin hat sich für ihn eingesetzt. Wie geht es den anderen Tierparks? Kamele und Bisons verschlingen jeden Tag viel Futter.

Remo Müller, Betreiber des Tier-und Erlebnisparks Bell, bringt Fleisch in das Gehege seiner drei Tiger. Foto: Thomas Frey/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Remo Müller fährt eine Schubkarre voller Fleisch zu seinen Tigern: Bei den coronabedingt zwangsgeschlossenen Tierparks in Rheinland-Pfalz laufen hohe Fixkosten weiter - auch nach der spektakulären Rettung des landesweit größten Zoos in Neuwied bangen zahlreiche Einrichtungen um ihre Existenz. «Wenn wir nicht an Ostern endlich wieder öffnen können, wird es zappenduster für uns», sagt Müller, Besitzer des Tiererlebnisparks Bell im Hunsrück mit 150 Tieren auf 100 000 Quadratmetern. Andere Zoos im Land äußern sich ähnlich: Keinesfalls dürfe auch die Saison 2021 gefährdet werden.

Der Leiter des Tierparks Rheinböllen im Hunsrück, Kristof Fröhlich, sagt, in seiner Einrichtung müssten auch während der erneuten Schließung seit Anfang November die 300 Tiere regelmäßig gefüttert werden. Schon im Frühling 2020 waren die Zoos im Land wochenlang wegen der Corona-Seuche geschlossen. Sein gutes Dutzend festangestellter Mitarbeiter könne und wolle er nicht entlassen, ergänzt Fröhlich - geeignetes Fachpersonal sei schwer zu finden. «Wir haben jeden Monat laufende Kosten von 50 000 Euro», fügt er hinzu.

Noch höhere regelmäßige Ausgaben hat der Zoo Neuwied mit seinen 1800 Tieren. Er wäre jüngst fast pleitegegangen. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) plante schon einen Runden Tisch - doch dann retteten rasche Spenden von insgesamt mehr als 250 000 Euro schlagzeilenträchtig den privaten Tierpark. Dreyer kündigte zusätzliche Landes- und Bundesmittel von insgesamt gut 150 000 Euro für diesen Zoo mit 80 Mitarbeitern im Norden von Rheinland-Pfalz an.

Andere Tierparkbetreiber sehen dessen Rettung mit gemischten Gefühlen. «Natürlich ist das sehr gut», sagt Fröhlich. Wichtig wäre aber mehr Hilfe für alle Zoos im Land. «Gut wäre ein Runder Tisch für alle Tierparks. Wir alle zusammen planen jetzt auch einen offenen Brief zu unserer Lage.»

Laut dem Umweltministerium in Mainz können verschiedene finanzielle Hilfen von Land und Bund fließen. Vor allem die kürzlich bis Ende Juni 2021 verlängerte Futterhilfe steht hier im Fokus. Bislang wurden laut Ministerium «13 Bewilligungen an acht Einrichtungen ausgesprochen und insgesamt 130 190 Euro ausgezahlt». Weitere Anträge über insgesamt rund 25 000 Euro würden bald bewilligt. «Wir gehen davon aus, dass weitere Anträge in nächster Zeit eingehen werden», ergänzt das Umweltministerium.

Tierparkchef Fröhlich sagt allerdings, Futterhilfe bekäme er nur, wenn er eidesstattlich einen existenzbedrohenden Liquiditätsengpass bestätigen würde. Dann wäre es aber schon zu spät, dann hätte er vorher bereits Mitarbeiter entlassen müssen. Fröhlich versichert, längst werde in seinem Tierpark gespart, wo es gehe, beispielsweise mit der Abmeldung von Fahrzeugen.

Auch das Reptilium in Landau mit 19 Mitarbeitern und etwa 1200 Tieren wie Krokodilen und Schlangen hat kürzlich von laufenden Kosten von monatlich rund 50 000 Euro und ausbleibenden Zahlungen gesprochen. Von der beantragten November- und Dezemberhilfe des Bundes sei zunächst nur ein Abschlag von 10 000 Euro geflossen. Müller vom Tiererlebnispark Bell berichtet Ähnliches.

Immerhin bekommt nicht nur der Zoo Neuwied Spenden - auch andere Tierparks profitieren von dem Engagement vieler aufgeschreckter Tierfreunde. «Wir haben so insgesamt rund 50 000 Euro bekommen», sagt Müller. Allerdings habe er jeden Monat laufende Kosten von 30 000 Euro.

Zum Glück seien im vergangenen Sommer angesichts vieler internationaler Reisebeschränkungen außergewöhnlich viele Besucher in seinen Tierpark geströmt. «Wenn aber der nächste Frühling verregnet ist, dann ist wirklich Feierabend für uns», warnt Müller.

Sein Hunsrücker Kollege Fröhlich, der im Dezember auch mit dem Verkauf von Weihnachtsbäumen seine Kasse etwas zu füllen versucht hat, wundert sich, dass im benachbarten Saarland die Zoos weiterhin offen sein dürfen. In seinem 80 Hektar großen Tierpark Rheinböllen sei so viel Platz, dass bei einem strengen Corona-Hygienekonzept Besucher im Freien kaum gefährdet sein dürften: «Bei unserem Rotwildgehege können Sie einen Kilometer am Zaun entlang laufen.»

Um den Jahreswechsel sei er extra einmal nach Mainz-Gonsenheim gefahren: «Da gibt es ausgerechnet in der Landeshauptstadt einen kleinen Wildpark, der nicht abgesperrt ist - da kann man immer noch rumlaufen.»

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