Mord ohne Leiche: Angeklagte schweigen zu Prozessbeginn

01.02.2021 Keine Leiche, mehrere Verdächtige, ein Mordprozess nach 30 Jahren: In Saarbrücken beschäftigt ein aufsehenerregender Fall die Justiz.

Die Außenaufnahme zeigt das Landgericht Saarbrücken. Foto: Oliver Dietze/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Vor dem Landgericht Saarbrücken hat knapp 30 Jahre nach dem spurlosen Verschwinden eines Mannes ein mit Spannung erwarteter Mordprozess begonnen. Auf der Anklagebank sitzen zwei Männer, die den 27-Jährigen umgebracht und vergraben haben sollen. Die beiden Deutschen, ein Bäcker (56) aus Riegelsberg und ein Raumausstatter (55) aus Berlin, sind des gemeinschaftlichen Mordes angeklagt. Sie kündigten zum Prozessauftakt an, sich nicht äußern zu wollen. Am Montag wurde zunächst nur die Anklage verlesen.

Demnach sollen die beiden mit einem Mittäter das 27-jährige Opfer aus Völklingen im September 1991 wegen eines angeblichen Drogengeschäftes in einen Wald bei Wadgassen gelockt und dort getötet haben. Laut Anklage schlugen sie mit einem massiven Holzstock auf das arg- und wehrlose Opfer ein, wodurch der Mann das Bewusstsein verloren haben soll. Zudem habe einer der Angeklagten den Kehlkopf des Opfers eingetreten. Danach sollen die Täter den 27-Jährigen in einer vorbereiteten Grube vergraben haben.

Ursprünglich waren drei Männer angeklagt. Einer der mutmaßlichen Täter, die Anfang August 2020 in Untersuchungshaft kamen, hatte sich am 5. Januar in seiner Zelle selbst getötet. In einem Abschiedsbrief soll er vor allem den 56 Jahre alten Mitangeklagten belastet haben.

Oberstaatsanwalt Raimund Weyand sagte, er sei «guter Hoffnung», dass der Mordvorwurf in diesem Verfahren bewiesen werde. Demgegenüber sprach Robin Sircar, der Verteidiger des 55 Jahre alten Angeklagten, von einem «Vermisstenfall». «Ich weiß nicht, wie der Staatsanwaltschaft der Mordnachweis gelingen soll», sagte er. Der Vorwurf eines Totschlags sei verjährt.

Laut Staatsanwaltschaft waren die Ermittlungen im vergangenen Jahr nach Hinweisen aus dem persönlichen Umfeld eines der Angeschuldigten in Gang gekommen. Nach Ansicht Sircars werde es «besonders spannend sein, wie wir jetzt Zeugenaussagen, die 30 Jahre nach irgendeinem Vorfall getätigt werden, überhaupt würdigen können hinsichtlich der Glaubhaftigkeit oder auch der Glaubwürdigkeit der Zeugen.»

Bis heute ist der Leichnam des Opfers nicht aufgetaucht. Seit Spätsommer 2020 wurde immer wieder vergebens nach den sterblichen Überresten des Mannes in dem Waldstück bei Wadgassen gesucht, zuletzt in der vergangenen Woche. Für den Prozess sind bis zum 15. April sieben Verhandlungstage vorgesehen, der nächste Termin ist am 17. Februar.

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