Kinder dürfen wieder in die Schule zurück

18.02.2021 Am kommenden Montag wird es lebendig an den Grundschulen in Rheinland-Pfalz. Für 148 000 Kinder beginnt zumindest der Wechselunterricht. Bildungsministerin Hubig hofft auch auf eine Öffnung der weiterführenden Schulen.

Stefanie Hubig (SPD), Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz, spricht. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

An den Grundschulen in Rheinland-Pfalz wird am kommenden Montag zum ersten Mal in diesem Jahr wieder Kinderlachen zu hören sein. An vielen Schulen werden die Klassen geteilt - die eine Hälfte der Kinder wird vor Ort unterrichtet, die andere Hälfte bleibt zuhause im Fernunterricht. Wo die Räumlichkeiten viel Platz lassen und den Mindestabstand von 1,50 Metern ermöglichen, können alle Kinder der ersten vier Klassen wieder in die Schule.

Das ist etwa an der Grundschule Essingen im Kreis Südliche Weinstraße möglich. «Wir haben kleine Klassen mit 15 Kindern und ein neues Schulgebäude mit größeren Klassenzimmern», sagt Schulleiterin Jutta Bretz. «Das ist natürlich traumhaft.» Insgesamt werden an der Grundschule 83 Kinder unterrichtet. «Von anderen Schulen weiß ich, dass es schwierig ist, auf der einen Seite die Kinder im Home Schooling zu betreuen und auf der andern Seite den Präsenzunterricht zu ermöglichen.» Wünschenswert wäre mehr Planungssicherheit, sagt Schulleiterin Bretz, die dem «Praktikerteam» der CDU für die Landtagswahl angehört.

Anders sind die Verhältnisse an der Goethe-Grundschule in der Mainzer Neustadt, wo 285 Kinder unterrichtet werden. Zum Start am Montag werden die Klassen mit jeweils 20 bis 24 Kindern geteilt. «Wir haben uns darauf vorbereitet, sind erprobt und haben alle Pläne fertig», sagt Konrektorin Stephanie Pfeiffer. In allen Klassen seien Lüftungsanlagen installiert und die Kinder seien geübt in allen Hygienemaßnahmen wie der Wegeführung in der Schule. «Weil wir viele kinderreiche Familien mit beengten Wohnverhältnissen haben, sehen wir die absolute Notwendigkeit, die Kinder wieder in die Schule zu bringen.»

Für die Kinder sei jeder Tag in der Schule ein Gewinn, sagt Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). «Studien zeigen, dass viele Kinder und Jugendliche unter den Schulschließungen leiden, deswegen müssen wir ihnen - und auch den Eltern - eine Perspektive eröffnen, eine Perspektive auf Lernen in Präsenz, auf mehr Miteinander.» Insgesamt gibt es 148 000 Kinder in der Primarstufe, unter ihnen 5300 Schülerinnen und Schüler an Förderschulen.

Die Ministerin weist beim Start am Montag auf die hohen Hygienestandards hin: «Abstand, Maskenpflicht, feste Lerngruppen, ein Lüftungskonzept und die sonstigen Hygieneregeln». In der Grundschule sei auf regelmäßige Maskenpausen zu achten, empfiehlt das Bildungsministerium. Lehrerinnen und Lehrer sollen Masken mit höherem Schutzstandard tragen. Für Schülerinnen und Schüler der ersten vier Klassen werden diese Masken empfohlen, es sind aber auch Alltagsmasken weiter zugelassen. «Grund dafür ist, dass die jüngeren Kinder nach den vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen weniger infektiös sind und medizinische Masken in Kindergrößen nicht überall verfügbar sind», erklärt das Ministerium.

Die Präsenzpflicht an den Schulen wurde wegen stark gestiegener Corona-Infektionszahlen am 16. Dezember aufgehoben. Am 4. Januar begannen dann alle Schulen in Rheinland-Pfalz mit dem Fernunterricht. Eigentlich war der Start des Wechselunterrichts an den Grundschulen schon zum 1. Februar geplant, wurde dann aber mit Blick auf die neu auftretenden Infektionen mit mutierten Coronaviren kurzfristig gestoppt.

«Je jünger die Schülerinnen und Schüler sind, desto wichtiger ist es, dass ihnen die Möglichkeit gegeben wird, wieder in Präsenz in die Schulen zu kommen», schrieb Hubig nach den jüngsten Bund-Länder-Beschlüssen zur Corona-Pandemie in einem Brief an die Eltern schulpflichtiger Kinder in Rheinland-Pfalz. Aber auch die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Abschlussklassen, die unmittelbar vor Prüfungen stehen, können tageweise mit Abstand in die Schule kommen. Darüber entscheidet die Schulleitung vor Ort.

Wie es künftig weiter geht, ist noch nicht genau festgelegt. «Ich werde mich weiter dafür einsetzen, dass - immer vorausgesetzt, die Infektionslage lässt es zu - auch die Schülerinnen und Schüler in den anderen Schularten so schnell wie möglich wieder zurück in die Schule kommen können», sagte Hubig der Deutschen Presse-Agentur. Die Landesregierung hat sich dafür ausgesprochen, auch in der Orientierungsstufe der weiterführenden Schulen, also in den 5. und 6. Klassen, im März in den Wechselunterricht überzugehen.

Mit dem Start des Wechselunterrichts an den Grundschulen beginnt ein neuer Abschnitt. «Die Kinder freuen sich auf den Unterricht in der Schule», sagt die Mainzer Konrektorin Pfeiffer, «und wir sind froh, dass sie kommen.»

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