Führung informiert über jüdische Häftlinge im KZ Osthofen

20.03.2021 Im NS-Konzentrationslager der Jahre 1933/34 in Osthofen waren vor allem Sozialdemokraten, Kommunisten und Gewerkschafter inhaftiert. Auf die kleinere Gruppe Juden, die dort gefangen gehalten wurden, macht jetzt eine filmische Online-Führung der nördlich von Worms gelegenen Gedenkstätte aufmerksam.

Der Schriftzug «Gedenkstätte KZ Osthofen» ist am Eingang zur Gedenkstätte KZ Osthofen angebracht. Foto: Uwe Anspach/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die jüdischen Häftlinge in Osthofen hätten bislang nicht im Fokus der Aufmerksamkeit gestanden, sagt die Historikerin Ulrike Holdt vom Gedenkstätten-Team. Anlässlich des Jahrestags von 1700 Jahren jüdischem Leben in Deutschland werde jetzt ein besonderer Schwerpunkt auf diese Häftlingsgruppe gelegt.

Von den rund 3000 Häftlingen in Osthofen sind nur von 1850 die Namen bekannt. Von ihnen waren 152 Juden, also rund 8 Prozent. Ihr tatsächlicher Anteil sei aber wahrscheinlich größer, sagt Holdt. Denn die meisten Häftlinge wurden namentlich erst nach dem Krieg bekannt, als sie sich für Entschädigungsansprüche registrieren ließen. Doch viele jüdische Häftlinge wurden nach ihrer Haftzeit in Osthofen in NS-Vernichtungslagern wie Auschwitz getötet.

Zu ihnen gehören auch 42 der 152 bislang namentlich bekannten jüdischen Häftlinge. Unter ihnen war Ludwig Ebert, der Prokurist in der Papierfabrik war, in der das Konzentrationslager angelegt wurde. Nach seiner Entlassung zog er 1934 zunächst nach Worms. Ein Fluchtversuch in die Schweiz scheiterte 1938, aber 1939 zog er nach Amsterdam um. 1944 wurde er dort verhaftet und über das Durchgangslager Westerbork nach Ausschwitz deportiert. Dort wurde Ludwig Ebert nach drei Tagen, am 26. März 1944, ermordet.

Im KZ Osthofen waren jüdische Häftlinge besonders erniedrigender Behandlung ausgesetzt. «Demütigungen, Fußtritte und Prügel waren an der Tagesordnung», erklären die Historiker. Zu den größten Demütigungen gehörte das Leeren der Latrinen mit Blechbüchsen, Essgeschirr oder den bloßen Händen.

Die Gedenkstätte Osthofen erinnert mit einer Dauerausstellung an die Anfänge der Verfolgung im NS-Regime in den Jahren 1933/34. Sie kann jetzt nach coronabedingter Schließung wieder mit vorheriger Anmeldung besucht werden.

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