Landesmuseum Mainz soll neues Profil entwickeln

02.05.2021 Trier hat die römische Antike, Koblenz die Technikgeschichte - und das Landesmuseum Mainz? Die neue GDKE-Chefin Heike Otto will ein neues Konzept entwickeln und dabei auch die Steinhalle für das Museum bewahren.

Die Archäologin Heike Otto. Foto: Peter Zschunke/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Unabhängig von der Diskussion über die Zukunft der Steinhalle des Landesmuseums Mainz will die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz ein neues Profil für dieses Haus entwickeln. «Das Landesmuseum Mainz zeitgemäß zu positionieren, ist eine große Chance, die wir jetzt gemeinsam angehen», sagt die GDKE-Chefin Heike Otto.

Viele Landesmuseen in Deutschland hätten sich aus historischen Gründen zu einer Art Gemischtwarenladen entwickelt, erklärt die Generaldirektorin. Jetzt werde untersucht, welche Schwerpunkte das Mainzer Museum habe, welche für die Identität von Rheinland-Pfalz wesentlich seien und welche Objekte zu welchen Themen künftig in Sonderausstellungen gezeigt werden sollten.

Das Landesmuseum Trier hat sich als Zentrum der Antike einen Namen gemacht. Und das Landesmuseum Koblenz im Kulturzentrum Festung Ehrenbreitstein legt einen Schwerpunkt auf die Technik- und Wirtschaftsgeschichte. Für Mainz gibt es noch nicht kein prägnantes Profil. Dabei habe auch das Landesmuseum Mainz «richtige Schätze, die teilweise nicht genügend Beachtung finden», sagt Otto im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur und nennt als Beispiel die Werke des Malers Max Slevogt (1868-1932).

«Museen haben sich extrem verändert», sagt Otto. «Die Menschen gehen inzwischen mit anderen Ansprüchen und Vorstellungen ins Museum.» Daher gelt es, die perfekte Lage im Zentrum von Mainz und den traumhaft schönen Innenhof zu nutzen, das Museum zu einem Ort der Begegnung zu machen. Dazu gehöre auch ein Erfahrungsort für Kinder. Eine weitere Idee sei es, im Landesmuseum einen aktuellen Fund der Landesarchäologie zu präsentieren - nicht erst nach Abschluss der oft zehn Jahre und länger dauernden Forschungen dazu.

Nur wenn das gesamte Landesmuseum neu aufgestellt sei, könne auch der vom Landtag geplante «Ort der Demokratie» erfolgreich sein, sagte Otto zur Absicht des Landes, die Steinhalle für Veranstaltungen zur politischen Bildung zu nutzen und dabei den dort 2016 als Provisorium eingerichteten Plenarsaal zu erhalten. «Mir ist wichtig, dass wir die Steinhalle für das Museum bewahren.» Die ehemalige kurfürstliche Reithalle sei für sich ein ganz besonderes Monument. Sie könne sich gut vorstellen, die römischen Steindenkmäler in der bisherigen Lobby des Parlaments neu zu platzieren, so dass Besucher etwa bei einem Grabdenkstein mehr über das Leben in der römischen Antike erfahren könnten.

Die Idee der Dauerausstellung sei kaum noch zeitgemäß, sagt Otto. «Die Sammlung der römischen Steindenkmäler bietet sich hervorragend dafür an, in wechselnden Ausstellungen unter immer neuen Gesichtspunkten Lebensbereiche der Antike sichtbar zu machen.» Historiker und Archäologen haben das Land dazu aufgerufen, auf die Pläne für ein Zentrum der politischen Bildung an diesem Ort zu verzichten und die Steinhalle wieder ganz der Präsentation der römischen Antike zu widmen.

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