Svensson: Jubelfeier bereits nach dem Hertha-Spiel?

02.05.2021 Mainz hat sich in diesem Jahr immer mehr aus dem Abstiegsstrudel befreit. Unter Bo Svensson zeigte die Mannschaft an anderes Gesicht - und punktete unermüdlich. Der Däne ist ein Volltreffer für die Rheinhessen.

Trainer Bo Svensson. Foto: Federico Gambarini/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit einem Sieg gegen Hertha BSC kann sich Bo Svensson beim FSV Mainz 05 schon frühzeitig als Retter feiern lassen. Der 41 Jahre alte Däne ist selbst überrascht, dass die Rheinhessen den vorentscheidenden Schritt zum Klassenverbleib bereits im Bundesliga-Nachholspiel gegen Hertha BSC am Montag (18.00 Uhr/Sky) machen können. Bei seinem Amtsantritt zu Jahresbeginn sei er davon ausgegangen, dieses Ziel im Mai erreichen zu können, sagte der Trainer: «Aber nicht so früh im Mai.»

Svensson rechnet allerdings nicht damit, dass sich bei den Berlinern BSC die 14-tägige Corona-Quarantäne bemerkbar machen wird. «Ich erwarte die stärkste Hertha», sagt er bei einer Pressekonferenz am Sonntag. «Wenn man sich vorstellt, dass man nach zwei Wochen, in denen man nur zu Hause sitzen durfte, endlich wieder spielen kann, muss man davon ausgehen, dass eine Mannschaft voller Tatendrang zu uns kommt. Unsere Aufgabe wird dadurch nicht einfacher werden.»

An Weihnachten waren der FC Schalke 04 und der FSV Mainz 05 mal gleichauf ganz unten. Dann folgten im Ruhrpott weitere Querelen, misslungene Wintertransfers, das nächste teure Trainermissverständnis und am Ende gar körperliche Attacken von Fans. In Rheinhessen kam Bo Svensson. Eine schillernde Trainervita hatte er genauso wenig im Gepäck wie große Sprüche - dafür erhielt er einen langfristigen und ligaunabhängigen Vertrag bis 2024 und das volle Vertrauen von Martin Schmidt und Christian Heidel, die in der großen sportlichen Not ebenfalls zu den 05ern zurückkehrten.

Schalke ist längst abgestiegen, Mainz hingegen kann nun eine herausragende Rückrunde krönen und den Quasi-Matchball zum vorzeitigen Klassenerhalt nutzen. Eine herausstechende Figur auf dem Rasen hat die Erfolgsgeschichte nicht, weder einen überragenden Torhüter, noch einen Strategen im Mittelfeld und erst recht keinen Torjäger, der diese Wende herbeigeführt hätte. Die herausstechende Figur heißt Bo Svensson und wurde zuletzt bereits als «Super-Svensson» oder «Magier» bezeichnet sowie kurzzeitig gar mit Spitzenclub RB Leipzig in Verbindung gebracht.

Der Däne sieht den Hype nüchtern. «Ich bin trotz der Bezeichnung 'junger Trainer' immer noch 41 und habe einiges in meinem Leben erlebt. Man hat halt zwei gute Geschichten, wenn man erstmal einen Trainer in den Himmel lobt - wenn er dann nicht mehr performt, hat man eine bessere Geschichte», beschreibt Svensson. Die Emotionen und das Extra-Lob, das es sonst auf den vollen Tribünen im Stadion gerade geben würde, holt man sich in Corona-Zeiten schon mal beim Einkaufen im Supermarkt ab, wie Svensson schilderte.

Blickt man zurück, unter welchen Bedingungen Svensson im Januar den Job übernahm, ist das Kurzzeitergebnis des Langzeitprojekts ein absolutes Meisterwerk. Die 05er hatten nach 14 Spielen sechs Punkte und einen einzigen bundesliga-tauglichen Stürmer: Jean-Philippe Mateta, der prompt nach England an Crystal Palace abgegeben wurde. Und seither punkten die minimalistischen Mainzer auf Augenhöhe mit Leipzig, Frankfurt oder Dortmund.

«Ich glaube, es ist gar nicht meine Aufgabe, so viel zu bewerten. Ich kann das ganz gut einordnen», sagte Svensson über die Lobeshymnen zu seiner Person. Offerten von anderen Topclubs interessieren ihn derzeit nicht, denn der Vertrauensvorschuss der Bosse im Winter ist nun auch ein Versprechen, das Projekt nicht gleich im erstbesten Fall abzubrechen. «Ich sehe meine Zukunft in Mainz. Wir haben eine Menge vor», sagte Svensson. Er weiß zu gut, dass von diesem Ort schon ganz andere Trainerkarrieren begonnen haben.

Der ehemalige Verteidiger hat in den Erfolgsmonaten auch an Format und Witz gewonnen. Als es in dieser Woche in einer Online-Presserunde kleinere technische Probleme gab, bat Svensson die Pressesprecherin grinsend, den nächsten Fragesteller aufzurufen. «Sonst mach' ich das!», scherzte der Coach. Gelächter. Wo im Herbst Tristesse und Frust herrschten, ist nun eine neue Begeisterung - entfacht von einem jungen Trainer mit Mainzer Stallgeruch, der in den vergangenen sieben Spielen fünf Siege und zwei Remis und in der Rückrunde bereits 27 Punkte holte.

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