Trier: Urteile im Prozess gegen Schleuser-Familienclan

12.05.2021 Im Prozess gegen einen Schleuser-Familienclan hat das Landgericht Trier den Vater am Mittwoch zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten verurteilt. Wie das Landgericht mitteilte, muss der Mann unter anderem wegen «des gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern in 24 Fällen» ins Gefängnis. In elf Fällen sei es bei einem Versuch geblieben. Dabei waren Visafälschungen erkannt worden. Das Gericht sah die Vorwürfe der Anklage den Angaben zufolge überwiegend als erwiesen an (Az.: 8031 Js 9574/19).

Eine Statue der Justitia. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit gefälschten Visa wurden syrische Flüchtlinge demnach nach Deutschland geschleust. Bei den 36 Verhandlungstagen ging es um Schleusungen von 2017 bis September 2019 aus Beirut im Libanon unter anderem über den Flughafen Frankfurt am Main. Die Familienmitglieder hätten laut Staatsanwaltschaft «Garantie- und Luxusschleusungen» versprochen, bei denen die Schleusung einer normalen Einreise gleichen sollte.

Dabei gingen sie laut Anklage arbeitsteilig vor: Als mutmaßlicher Bandenchef nahm der nun verurteilte Libanese die Aufträge meist von in Deutschland lebenden Verwandten entgegen. Pro Schleusung habe der Familienvater in Bitburg zwischen 4500 und 17 000 Euro kassiert. Mit dem Geld hätten die Familienmitglieder ihren Lebensunterhalt in Deutschland und im Libanon finanziert.

Den mitangeklagten Sohn verurteilte die Kammer den Angaben zufolge unter anderem ebenfalls wegen des «bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern» in vier Fällen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Ein ebenfalls angeklagter syrischer Komplize aus Bitburg in der Eifel wurde unter anderem wegen Hehlerei zu einer Geldstrafe verurteilt.

Auch der älteste Sohn und dessen Mutter, nach denen nach Angaben der Staatsanwaltschaft weiter gefahndet wird, sollen involviert gewesen sein. So sollen die beiden die Syrer auf ihren Flügen begleitet haben. Der Sohn soll zudem unter anderem zeitweise in der Deutschen Botschaft in Beirut gearbeitet und Blanko-Visaetiketten entwendet haben. Der mutmaßliche Schleuserclan war im Oktober 2019 bei Razzien in vier Bundesländern zerschlagen worden.

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