Auch Ärzte starten mit digitalen Impfausweisen

22.06.2021 Digitale Impfausweise können der Schlüssel zu Reisen und anderen schönen Erlebnissen sein. Bisher hat es sie etwa in Apotheken, nicht aber in Arztpraxen gegeben. Das ändert sich nun. Mediziner, die sowieso impfen, freuen sich. Es geht auch ums Geld.

Ein Smartphone mit dem QR Code eines digitalen Impfausweises liegt zusammen mit einem Impfbuch auf dem Tisch. Foto: Oliver Dietze/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Rheinland-Pfalz stellen künftig auch Arztpraxen digitale Corona-Impfnachweise aus. Bislang haben viele Apotheken dafür Extravergütungen erhalten, während Medizinern die technischen Lösungen für die Erstellung solcher Impfausweise zunächst gefehlt haben. «Das hat uns sehr geärgert, dass das in Arztpraxen noch nicht möglich gewesen ist», sagte die Vorsitzende des Hausärzteverbands im Bundesland, Barbara Römer, der Deutschen Presse-Agentur. «Es geht nicht um Geschäftemacherei, sondern um den Abschluss des aufwendigen Impfens in Praxen auch mit einem digitalen Nachweis im Handy der Geimpften.»

Nun hat sich das Blatt gewendet: Inzwischen können auch Arztpraxen eine digitale Lösung des Robert Koch-Instituts (RKI) für Impfzertifikate nutzen. «Darüber freuen wir uns», betonte Römer. «Ich bin überzeugt, dass viele Kollegen mitmachen werden.»

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz teilte mit: «Wir haben letzte Woche erst unsere Mitglieder darüber informiert.» Römer sagte zum digitalen Impfnachweis in Seuchenzeiten: «Da geht es um die Wiedererlangung von Freiheiten.» Der digitale Nachweis ist eine freiwillige Ergänzung des gelben Papier-Impfpasses. Deutschland setzt damit ein Vorhaben der Europäischen Union um. Der digitale Impfnachweis soll auch Ferienreisen ins Ausland erleichtern.

Das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium in Mainz begrüßte es, dass nun auch Ärzte die für Bürger kostenlosen Zertifikate anbieten können: «Das vereinfacht es für Geimpfte, an ihren digitalen Ausweis zu kommen.» Wer seinen Piks in Impfzentren erhält, bekommt das Zertifikat mittlerweile direkt dort. Früher dort Geimpften wird der dafür nötige QR-Code per Post oder Mail geschickt.

Nach Römers Worten werden wohl nicht gleich alle niedergelassene Ärzte in Rheinland-Pfalz die für Bürger kostenlosen Zertifikate fürs Handy anbieten. Die Nutzung der digitalen Plattform des Robert Koch-Instituts sei etwas aufwendig mit der Eingabe von Name, Geburtsdatum, Impfstoff und Impfdatum der Bürger. Pro Impfung werde dies mit sechs Euro vergütet. Anfang Juli werden laut der Verbandsvorsitzenden kommerzielle Angebote zur Aktualisierung von Praxis-Software erwartet, mit deren Hilfe Praxen nach einer Impfung am Computer nur noch einen Extraklick für den Impfnachweis benötigten. Das werde lediglich noch mit zwei Euro vergütet.

Für einen digitalen Impfnachweis für einen Nicht-Patienten bekommen Praxen laut Römer wegen des erhöhten Prüfaufwands der persönlichen Daten ebenso wie die Apotheken derzeit noch 18 Euro vergütet. Von Juli an sollen es allerdings nur noch sechs Euro sein, was die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverband bereits kritisiert hat.

Der Hausärzteverband Rheinland-Pfalz moniert dagegen, dass Ärzte nur 20 Euro pro Impfung bekämen. «Das ist eine Nichtwertschätzung einer qualitativ hochwertigen Leistung», sagte Römer, die in einer Praxis im rheinhessischen Saulheim arbeitet. Gerechtfertigt wären 35 Euro.

Ins selbe Horn stößt auch die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz: «Beratung, Vorbereitung und Durchführung einer Impfung gegen Sars-CoV-2 sind nicht vergleichbar mit anderen Routineimpfungen.» Die Vereinigung gab zu bedenken: «Ab dem zweiten Halbjahr 2021 wird neben dem hohen organisatorischen Aufwand ein noch intensiveres Beratungsengagement der Ärzteschaft gefordert sein, um die große Gruppe der Impfskeptiker vom Nutzen einer Impfung für den Einzelnen und die Gesellschaft zu überzeugen.»

Mittlerweile sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom Montag fast ein Drittel der 4,1 Millionen Rhein-Pfälzer vollständig und etwa die Hälfte mindestens einmal geimpft.

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