«Schöner wohnen am Wasser»: Römische Funde in Mainz

23.06.2021 Die Mondgöttin Luna zeigt sich am Rhein: Entdeckungen am Mainzer Zollhafen erweitern das Bild der römischen Besiedlung. «Auch vor 2000 Jahren war hier schon richtig was los», sagt Innenminister Lewentz.

Eine kleine Delfinfigur aus der Römerzeit steht in einer Vitrine im Rhein-Kontor in Mainz. Foto: Boris Roessler/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zwei Jahre nach Grabungen auf der Baustelle für eine Bank in Mainz haben Archäologen am Mittwoch eine Auswahl der römischen Funde präsentiert. Die ältesten Objekte reichen bis in die Zeit um Christi Geburt, die jüngsten stammen aus dem 4. Jahrhundert, wie die Archäologin Marion Witteyer mitteilte. Die freigelegten römischen Siedlungsreste am Zollhafen belegten die kontinuierliche Besiedlung der heutigen Mainzer Neustadt von der Antike über das frühe Mittelalter bis zur Gegenwart, sagte die Leiterin der Mainzer Außenstelle der Direktion Landesarchäologie in der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz.

Zu den Funden gehören eine Statuette der römischen Mondgöttin Luna, eine Delfinfigur und fein verzierte Gefäße. «Das ist alles sehr elaboriert gewesen», sagte Witteyer. «Die Leute, die hier gelebt haben, waren wohlhabend, Leute, die «schöner wohnen am Wasser» haben wollten.»

Eine Auswahl der Funde wird nun in vier Vitrinen in der Kantine der Bank gezeigt. Im frei zugänglichen Innenhof wurden sechs Amphoren in einer Lage ausgestellt, die den Grabungsbefund simuliert. Die nicht mehr benötigten Gefäße sollten als Unterbau für ein Gebäude verhindern, dass aufsteigende Feuchtigkeit am Rheinufer in das darüber liegende Mauerwerk eindringen konnte. Zur Präsentation der Funde im «Rheinkontor» der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sagte Witteyer: «Wir möchten Funde am Fundort zeigen, das ist authentisch und eine gute Lösung.»

«Wir sind das römischste Bundesland in Deutschland», sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD), zu dessen Ressort seit Mai die Zuständigkeit für die GDKE gehört. Mit den neuen Funden werde eine Brücke geschlagen zwischen der antiken Besiedlung und der aktuellen Stadtbebauung am Zollhafen. «Auch vor 2000 Jahren war hier schon richtig was los.»

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