Unternehmen setzen weiter auf Mix aus Homeoffice und Präsenz

01.07.2021 Ein «Weiter so» wie vor Corona wird es in vielen Büros nicht mehr geben. Viele Arbeitgeber und Beschäftigte sind bereit, auch längerfristig Lehren aus der Pandemie zu ziehen.

Eine Frau arbeitet am Küchentisch an ihren Laptops. Foto: Lisa Ducret/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Auch wenn die Bundesnotbremse und damit die gesetzliche Homeoffice-Pflicht gerade ausgelaufen sind: Viele Unternehmen in Rheinland-Pfalz lassen Beschäftigte weiter mobil arbeiten. Sie versprechen sich davon beispielsweise eine höhere Flexibilität und einen nach wie vor besseren Infektionsschutz. Einige Arbeitgeber sehen das mobile Arbeiten auch als Möglichkeit, ihre Attraktivität zu steigern und Kosten für Büroflächen zu senken, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Doch mobiles Arbeiten ist nur für einen Teil der Beschäftigten eine Option.

BASF

Am Stammsitz in Ludwigshafen mit und 39.000 Mitarbeitende hat der Konzern nach eigenen Angaben schon mit Beginn der Corona-Pandemie schnell reagiert und Homeoffice für alle Mitarbeitende, die mobil arbeiten konnten, eingeführt. Das ist rund die Hälfte der Belegschaft am Standort. Mobiles Arbeiten ist bei dem Chemieriesen vor allem bei Büroarbeiten möglich. Arbeiten in Produktion und Technik sowie in der Forschung sind oftmals und je nach Aufgabe nicht mobil durchführbar, wie Sprecherin Valeska Schößler erklärte.

Für den größten Arbeitgeber im Land wird mobiles Arbeiten auch künftig ein wichtiges Thema bleiben. «Eines ist für uns bereits jetzt klar: Wir werden künftig unseren Teams ein höheres Maß an Flexibilität ermöglichen, um ihre Arbeit zu erledigen», erklärte sie. Ob und wie künftig mobil gearbeitet werden kann, besprechen Mitarbeiter und Führungskraft. «Wir führen kein starres Regelwerk ein», betonte sie. Denn nicht alle Tätigkeiten in der BASF eigneten sich gleichermaßen für mobiles Arbeiten. Ein Versuch im Labor oder das Betreiben und die Reparatur einer Anlage ließen sich nicht virtuell von daheim erledigen.

Boehringer Ingelheim

Beim Pharmakonzern Boehringer Ingelheim führt das Ende der Homeoffice-Pflicht zu keinen grundlegenden Änderungen: Beschäftigte, die ihre Aufgaben etwa in der Verwaltung gut von zu Hause erledigen können, werden weiter von dort aus arbeiten können. Solche mit standortgebundenen Funktionen etwa in Produktion, Forschung und Entwicklung kommen weiter in die Betriebe, wie Sprecher Matthias Knotzer mitteilte. Damit würden nach wie vor bis zu 70 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland zu Hause arbeiten.

Mit dem Ende der Bundesnotbremse gibt es bei dem Familienunternehmen nur kleinere Veränderungen: Beschäftigte, die von zu Hause arbeiten, sich aber mal wieder am Standort austauschen möchten und etwa neue Kolleginnen und Kollegen treffen möchten, können dies unter Abstands- und Hygienevorschriften und in Abstimmung mit ihrem Vorgesetzten tun. Die Zahl der Personen, die dabei gleichzeitig am Standort sein kann, ist weiter stark beschränkt. «Die steigenden Impfzahlen und die niedrigen Inzidenzraten ermöglichen diese eingeschränkten und kurzen Aufenthalte an den Standorten», erklärte Knotzer.

Bitburger Braugruppe

«Angesichts der erfreulich niedrigen Corona-Zahlen setzen wir aktuell auf eine verantwortungsvolle Mischung aus Homeoffice und Anwesenheit im Unternehmen», sagte der Geschäftsführer für Personal und Recht der Bitburger Braugruppe, Stefan Schmitz. Auch in den Zeiten nach Corona werde das mobile Arbeiten fester Bestandteil sein. «So werden wir dort, wo es der Arbeitsplatz und die konkrete Situation in der Abteilung zulassen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit geben, entsprechend mobil zu arbeiten», sagte er. Dennoch bleibe «die Zusammenarbeit vor Ort und der hervorragende Zusammenhalt innerhalb unserer Belegschaft das Herzstück der täglichen Arbeit».

Bitburger mit Sitz in der Eifel hatte seit März 2020 auf Homeoffice gesetzt. In der Produktion wurden zwischenzeitlich Abläufe so umgestellt, dass persönliche Begegnungen auf ein absolutes Minimum begrenzt oder vollständig vermieden werden konnten.

Debeka

Bei der Debeka, einer der größten deutschen Versicherungsgruppen, arbeitet die überwiegende Mehrheit der rund 16.000 Beschäftigten im Homeoffice. Die gut 8000 angestellten Außendienstmitarbeiter darunter seien ohnehin mobil tätig, teilte das Unternehmen am Stammsitz Koblenz mit. Wegen Corona arbeiteten gegenwärtig auch die meisten Innendienstmitarbeiter zu Hause. «Unabhängig vom Auslaufen der Bundesnotbremse werden wir den derzeitigen Zustand bis auf weiteres aufrechterhalten und den Mitarbeitern das Homeoffice weiterhin ermöglichen - auch, um keine Risiken im Hinblick auf mögliche Steigerungen der Infektionen einzugehen», erklärte ein Sprecher.

«Für die Zeit nach Corona erarbeiten wir derzeit Konzepte für das weitere mobile Arbeiten», ergänzte er. Wahlmöglichkeiten für Beschäftigte und zeitliche Mischmodelle zu Hause und im Büro seien im Gespräch. «Höhere Flexibilität, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Wegfall von Fahrzeiten» sind laut dem Sprecher die Vorteile des Homeoffice für Beschäftigte. Zugleich werde die Debeka als Arbeitgeber attraktiver und könne etwa mit der Einsparung von Bürofläche Kosten sparen.

ZDF

Auch beim ZDF wird die ab diesem Donnerstag gültige Arbeitsschutzverordnung berücksichtigt. «Homeoffice ist dabei eines der möglichen Instrumente, um Kontakte zu reduzieren und so das Infektionsgeschehen zu minimieren», sagte eine Sprecherin. Das gelte vor allem dann, wenn Büroräume von mehreren Personen mit zu geringen Abständen genutzt werden müssten. Es gebe allerdings im ZDF eine Vielzahl an Gewerken und Berufsbildern wie Kameraleute, Bildmischerinnen und Bildmischer, Bildtechniker und andere, die ihre Aufgaben vorrangig am Arbeitsplatz ausführen müssen.

Landesverwaltung

Die rheinland-pfälzische Landesverwaltung hält nach Wegfall der bisherigen Regelung angesichts der derzeit niedrigen Inzidenzen eine stufenweise Rückkehr der Beschäftigten - je nach konkreter Arbeitsplatzgestaltung und in Absprache mit den Abteilungsleitungen - für vertretbar. «Kontakte sollen dabei weiterhin aufgrund der neuen Arbeitsschutzverordnung möglichst reduziert bleiben», so die Landesregierung. Die meisten Ressorts hätten Dienstvereinbarungen zur Telearbeit und zum mobilen Arbeiten erweitert, so dass Homeoffice in einem größeren Umfang als bisher ermöglicht werde.

Hintergrund

Die in der Bundesnotbremse verankerte Homeoffice-Pflicht lief am Mittwoch aus. Die Gültigkeit war im Infektionsschutzgesetz bis zum 30. Juni befristet. Unternehmen müssen dennoch weiter Corona-Maßnahmen aufrechterhalten und zwei Tests pro Woche anbieten sowie Hygienepläne erstellen. Das ist in der neuen Corona-Arbeitsschutzverordnung geregelt, die an diesem Donnerstag in Kraft getreten ist und bis zum 10. September gelten soll.

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