Geständnis im Prozess nach versuchtem Goldschatz-Raub

03.08.2021 Auf mehr als 2500 römische Münzen aus purem Gold hatten sie es abgesehen: Doch der Raub des Trierer Goldschatzes platzte, weil die Räuber die Panzervitrine nicht öffnen konnten. Einer der Täter hat im Prozess in Trier schon mal gestanden.

Römische Goldmünzen des Trierer Goldschatzes werden in einer Vitrine platziert. Foto: Thomas Frey/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Prozess um den versuchten Raub des weltweit größten Goldschatzes aus der römischen Kaiserzeit hat der Angeklagte vor dem Landgericht Trier eine Beteiligung an der Tat gestanden. «Er hat Schmiere gestanden», erklärte dessen Verteidiger Christoph Rühlmann zum Prozessauftakt am Dienstag. Der 28-Jährige sei aber selbst nicht im Museum gewesen: Zwei andere Täter hätten derweil versucht, den Goldschatz mit mehr als 2500 Münzen aus purem Gold aus dem Rheinischen Landesmuseum Trier stehlen.

Das Geständnis erfolgte nach einer verfahrensabkürzenden Absprache zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht. Demnach wurde dem Niederländer eine Freiheitsstrafe zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Jahren in Aussicht gestellt, sagte die Vorsitzende Richterin Petra Schmitz. Das Urteil könnte beim nächsten Prozesstag am 24. August fallen.

Die Anklage wirft dem Mann versuchten schweren Bandendiebstahl vor. Er sei bei der Tat in der Nacht zum 8. Oktober 2019 Teil einer Gruppe gewesen, «die eine Sache von Bedeutung für Kultur und Wissenschaft versuchte, zu stehlen», sagte Staatsanwalt Volker Blindert bei der Anklageverlesung. Mindestens zwei Mittäter seien noch unbekannt.

Bei den Münzen mit einem Gewicht von 18,5 Kilo handelt sich um den weltweit größten Goldschatz der römischen Kaiserzeit. Er ist das Aushängeschild des Museums in Trier. Der Wert des Schatzes werde auf 10 Millionen Euro geschätzt, der Materialwert liege bei 600.000 Euro, sagte der Staatsanwalt.

Die Tat habe sich so abgespielt: Zwei Täter sollen über ein Baugerüst ins Museum eingestiegen sein. Sie brachen ein Fenster auf und schlugen eine massive Tür mit einem Vorschlaghammer ein, um zum Münzkabinett zu kommen. Dort gelang es ihnen aber trotz brachialer Gewalt nicht, den Kubus aus Panzerglas über den Goldmünzen zu öffnen. Sie flüchteten ohne Beute, da die Alarmanlage anging und die Polizei nach wenigen Minuten kam. Ein weiterer Täter soll draußen gestanden und die anderen gewarnt haben, so die Anklage.

Der Angeklagte war anhand einer DNA-Spur, die an einer am Tatort zurückgelassenen Sporttasche gesichert wurde, ermittelt worden. Aufgrund eines europäischen Haftbefehls wurde er in den Niederlanden festgenommen und Mitte Dezember 2020 an Deutschland ausgeliefert. Der Mann gab an, bis zuletzt bei der Müllabfuhr gearbeitet zu haben.

Der Trierer Goldschatz war 1993 überraschend bei Bauarbeiten für ein Parkdeck in der ehemaligen Römerstadt gefunden worden. «Ich bin sehr froh, das es nicht gelungen ist, den Goldschatz zu stehlen», sagte der Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier, Marcus Reuter, anlässlich des Prozessauftaktes. «Es wäre eine absolute kulturelle Katastrophe gewesen.» Denn man müsse davon ausgehen, dass der Schatz im Fall eines Diebstahls «unwiederbringlich» verloren gewesen wäre. «Er wäre wahrscheinlich eingeschmolzen worden, weil die Münzen so nicht zu verkaufen sind.»

Da das Münzkabinett sicherheitstechnisch aufgerüstet wird, ist der Goldschatz im Museum derzeit nicht ausgestellt. Er werde wohl im Frühjahr 2022 wieder zu sehen sein, sagte Reuter. Solange seien die Goldmünzen «an einem geheimen, sicheren Ort» untergebracht.

Die Arbeiten im Münzkabinett seien umfassend. «Es wird eins zu eins umgesetzt, was das Landeskriminalamt empfohlen hat. Wir machen da schon einen Quantensprung, was die Sicherheit angeht.» Es handele sich um einen «einzigartigen Kulturschatz»: «Was für das Landesmuseum (für Vorgeschichte) in Halle die Himmelsscheibe von Nebra ist, das ist der Goldschatz hier für das Landesmuseum.»

Reuter hofft, dass die Ermittlungserfolge bei großen Museumseinbrüchen der letzten Jahre in Dresden, Berlin und Trier künftige Täter abschreckten. Bei dem Einbruch in Dresden hatten Täter aus dem Grünen Gewölbe im November 2019 historische Schmuckstücke aus Diamanten und Brillanten von kaum schätzbarem Wert erbeutet. In Berlin stahlen Diebe im März 2017 aus dem Bode-Museum eine riesige Goldmünze im Millionenwert.

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