Mord?: Angeklagte soll ihrer Tochter Tat gestanden haben

08.01.2021 17 Jahre nach dem Tod ihres Vaters hat eine 38-Jährige in Chemnitz Mordermittlungen ins Rollen gebracht. Im Prozess am Landgericht hat sie nun als Zeugin gegen die Frau auf der Anklagebank ausgesagt. Es ist ihre Mutter.

Blick auf das Landgericht. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach dem offensichtlich gewaltsamen Tod eines Chemnitzers droht seiner damaligen Ehefrau ein viele Jahre später heimlich aufgenommenes Gespräch zum Verhängnis zu werden. Die 67-Jährige ist am Landgericht des Mordes angeklagt. Als erste Zeugin im Prozess sagte am Freitag rund drei Stunden lang die Tochter des Ehepaares aus. Sie war es, die Anfang Mai 2020 das Gespräch mit der Seniorin suchte, mit dem Handy in der Tasche aufnahm und schließlich die Mordermittlungen ins Rollen brachte.

In dem Gespräch habe die 67-Jährige erzählt, wie sie ihren damaligen Ehemann getötet habe, berichtete die Tochter. So habe sie ihm zunächst Medikamente in einen Eisbecher gemischt, habe ihr die Mutter gesagt. «Und dass er am Schreibtisch zusammengebrochen ist und um Hilfe gerufen hat.» Dann habe sie vorgegeben, ihm zu helfen, und ihm per Schnabeltasse Desinfektionsmittel und Alkohol zu trinken gegeben.

An dem Trunk ist der alkoholkranke Mann laut Anklage gestorben. Die Staatsanwaltschaft wirft der Deutschen vor, heimtückisch und aus Habgier gehandelt zu haben. Von einer Lebensversicherung ist im Prozess immer wieder die Rede und dass die Frau befürchtet habe, den Mann bei einer Trennung wegen des gemeinsamen Hauses auszahlen zu müssen.

«Wie hat sie Ihnen das mitgeteilt?», fragte Richterin Simone Herberger die Tochter zur damaligen Situation des Gesprächs. «Klar, sachlich, nüchtern», antwortete die 38-Jährige. Zudem habe die Mutter ihr noch nahegelegt, ihren Ex-Partner mit einem Insulinmedikament zu töten.

Der Mitschnitt des Gesprächs selbst wurde vor Gericht nicht abgespielt. Während der Zeugenaussage blickte die Seniorin meist stoisch von der Anklagebank zu ihrer Tochter hinüber, schüttelte mehrfach den Kopf. Sie sitzt seit Ende Juni in Untersuchungshaft. Selbst hat sie sich bisher vor Gericht nicht zu den Vorwürfen geäußert; zum Prozessauftakt im Dezember war zunächst nur die Anklage verlesen worden.

Beim Tod des Mannes 2003 war von einem Unfall ausgegangen worden. Doch nun schilderte auch sein ehemaliger Studienfreund, dass er schon damals Zweifel an dieser Version gehabt habe - ohne allerdings etwas Handfestes vorlegen zu können. «Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie sehr in Trauer war», erinnerte er sich vor Gericht an Begegnungen mit der Witwe in jenem Jahr. Bei einem früheren Telefonat habe sie zudem gesagt, dass «Hansi» nur noch saufe und sie ihm etwas ins Glas mischen wolle, wenn das so weitergehe. «Das habe ich damals nicht ernst genommen», sagte der Zeuge.

Als «lieb, sozial und gutmütig» schilderte derweil der neue Ehemann der Angeklagten seine Frau. «Sie könnte so etwas nie machen», versicherte der 71-Jährige mit Blick auf die Mordvorwürfe. Beide waren schon kurze Zeit nach dem Todesfall ein Paar geworden. Er habe sie aber erst nach dem Tod des Mannes kennengelernt, betonte er auf Nachfrage. Der Prozess soll kommende Woche mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt werden.

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