Lockdown lässt Bedarf an Kurzarbeit steigen

29.01.2021 Viele Geschäfte sind seit mehr als einem Monat geschlossen, Hotels, Gaststätten und Freizeiteinrichtungen sogar seit Anfang November. Die Folge: deutlich mehr Anzeigen auf Kurzarbeit. Und auch die Zahl der Arbeitslosen lag im Januar deutlich höher als vor einem Jahr.

Das Logo vom Jobcenter spiegelt sich am Eingang. Foto: Jens Kalaene/zb/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit dem neuerlichen Corona-Lockdown seit Anfang November greifen Sachsens Unternehmen wieder stärker zur Kurzarbeit. Seit November hätten rund 17 000 Betriebe neu Kurzarbeit angezeigt für mehr als 150 000 Beschäftigte, sagte der Geschäftsführer der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Klaus-Peter Hansen, am Freitag. Die Anzeigen kämen vor allem aus den von Schließungen besonders betroffenen Branchen wie Hotels und Gaststätten, Handel, dem Freizeitsektor, aber auch von Fahrschulen und Taxiunternehmen. Wie viele Menschen derzeit tatsächlich in Kurzarbeit sind, lässt sich erst in einigen Monaten genau beziffern.

«Die Kurzarbeit stützt weiter massiv den Arbeitsmarkt», konstatierte Hansen. So sei der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Januar im Vergleich zu den Vorjahren moderat. Die Zahl der Männer und Frauen in Sachsen ohne Job lag bei knapp 139 000 (Stichtag: 13. Januar) - plus 10 800 im Vergleich zum Vormonat und fast 18 000 mehr als vor einem Jahr. Die Quote stieg seit Dezember um 0,6 Punkte auf 6,6 Prozent.

Hansen sprach in Chemnitz von einem für diese Jahreszeit typischen Anstieg. «Zum Jahresende enden üblicherweise sehr viele Beschäftigungsverhältnisse, und saisonabhängige Branchen wie das Baugewerbe gehen in die Winterpause.» Dadurch nähmen im Januar auch weniger Menschen eine neue Arbeit auf. Zudem gebe es wegen der Pandemie weniger Weiterbildungsangebote.

Es sind die ersten Arbeitsmarktzahlen, in denen der harte Corona-Lockdown in Sachsen berücksichtigt ist. Mitte Dezember hatten nicht nur Kindergärten und Schulen, sondern auch viele Geschäfte sowie die Friseure schließen müssen. Gastgewerbe und Freizeiteinrichtungen sind schon seit Anfang November betroffen.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit betrifft den Angaben zufolge vor allem junge Menschen. Im Vergleich zu Januar 2020 sei die Zahl der Arbeitslosen in der Altersgruppe 15 bis 24 Jahre um fast 22 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Der Anstieg über alle Altersgruppen hinweg lag deutlich niedriger bei rund 15 Prozent.

Die weitere Entwicklung am Arbeitsmarkt sei abhängig davon, wie es gelinge, die Pandemie medizinisch zu bewältigen, sagte Hansen. Dann sei in den kommenden Monaten mit einem «saisontypischen Verlauf» zu rechnen. «Kurzfristig wird die Arbeitslosigkeit noch einmal steigen, aber dann kontinuierlich sinken.»

Bundesweit ist die Zahl der Arbeitslosen im Januar um 193 000 auf 2,901 Millionen gestiegen. Die Arbeitslosenquote kletterte damit um 0,4 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent.

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