Steinmeier warnt vor wachsender Ungeduld in der Corona-Krise

18.02.2021 Die Infektionszahlen sinken, doch die Pandemie schränkt das Leben in Deutschland weiterhin erheblich ein. Die Ungeduld in der Bevölkerung wachse, konstatiert Bundespräsident Steinmeier. Wo der Schuh drückt, darüber berichteten ihm am Donnerstag mehrere Bürger aus Sachsen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht. Foto: Wolfgang Kumm/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Fortschritte im Kampf gegen die Corona-Pandemie gelobt, aber auch vor wachsender Ungeduld in der Bevölkerung gewarnt. Es werde hoffentlich gelingen, die Gesundheitskrise in den Griff zu bekommen und Schritt für Schritt zu Normalität zurückzukehren, sagte er am Donnerstag in einer Videokonferenz mit Vertretern des Gesundheitswesens in Sachsen. «Das geht langsamer, als es sich viele wünschen.» Je länger die Krise und die Einschränkungen dauerten, desto größer werde der «Stress-Test» für das Vertrauen in öffentliche Institutionen. Er erkundigte sich daher mehrfach nach Gründen für die Unzufriedenheit von Bürgern mit den Corona-Maßnahmen sowie den Protesten dagegen.

Trotz der Fortschritte blieben Unsicherheiten durch die Ausbreitung neuer Virusvarianten, konstatierte das Staatsoberhaupt. Steinmeier hob aber hervor, dass die Dynamik des Infektionsgeschehens abgenommen habe. Zugleich verwies er auf Fortschritte beim Impfen: «Wir können froh darüber sein, dass die Impfungen - aus Sicht vieler viel zu langsam - aber jetzt doch vorankommen.» Er erinnerte zugleich daran, dass auch ärmere Länder hierbei unterstützt werden müssten: «Das Virus ist erst besiegt, wenn es überall besiegt ist.»

Im Gespräch mit dem Bundespräsidenten berichteten fünf Menschen aus Sachsen, die in der Corona-Pandemie besonders gefordert sind, über ihre Erfahrungen und Nöte. Eine Hausärztin aus Pirna etwa sprach von zunehmend psychischen Problemen bei ihren Patienten. Aus ihrer Sicht sollten zudem Hausärzte Quarantänen aussprechen dürfen, damit es durch Verzögerungen in den Gesundheitsämtern nicht zu weiteren Ansteckungen komme. Ein Bestatter aus dem Erzgebirge sagte, dass es für viele Angehörige sehr schwer sei, würdevoll von Sterbenden und Verstorbenen Abschied zu nehmen. Dabei verwies er auf die Begrenzung der Personenzahl bei Beerdigungen. «Welchen Enkel lässt man da außen vor? Wer darf nicht zur Beerdigung kommen?» - das seien schwierige Entscheidungen in dieser ohnehin belastenden Situation.

Auch von Personalproblemen in Pflege und Gesundheitswesen wurde berichtet. «Ohne Schwestern hilft uns kein Beatmungsgerät», betonte ein Intensivmediziner aus Zittau. Der Leiter eines ambulanten Pflegedienstes im Landkreis Bautzen sagte, sein Unternehmen habe zwar einen Termin für die Impfung von Mitarbeitern und Klienten bekommen. Es habe aber kein Arzt zur Verfügung gestanden, so dass viele bis heute noch nicht geimpft seien. Auch der Mangel an Schutzausrüstung vor allem zu Beginn der Pandemie wurde angesprochen und eine bessere Bevorratung sowie die Produktion in Deutschland angemahnt.

Steinmeier würdigte in dem gut einstündigen Onlinegespräch das Engagement der Beschäftigten im Gesundheitswesen. Damit hätten sie verhindert, dass es zu einer Gesellschaftskrise mit «unüberbrückbaren Spaltungen» gekommen sei. Eine Lehre der vergangenen Monate sei, «wie sehr wir als Menschen aufeinander angewiesen sind», resümierte das Staatsoberhaupt. «Das ist eine Erfahrung, die sollten wir für die Zukunft nicht wieder vergessen.»

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