Kriminalität bleibt auf Vorjahresniveau

09.03.2021 Die Polizei hatte wegen Corona einen Rückgang der Kriminalität angenommen. Doch nur in einigen Bereichen kam es dazu. Straftäter hätten sich gut auf die Lage eingestellt, sagt der Innenminister.

Der Schriftzug «Polizei» ist vor einem Polizeirevier zu sehen. Foto: Boris Roessler/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Kriminalität ist im ersten Jahr der Corona-Pandemie weitgehend auf dem Vorjahresniveau geblieben. Demnach stieg die Zahl der Straftaten 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozent auf 272 588 (2019: 271 796). Die Aufklärungsquote verbesserte sich von 56,2 auf 58,7 Prozent.

Veränderte Lebensgewohnheiten hätten zu «veränderten Tatgelegenheiten» in einzelnen Bereichen geführt, sagte Innenminister Roland Wöller (CDU) am Dienstag: «Darauf haben sich Straftäter schnell eingestellt.» Die Polizei werde das bei der Kriminalitätsbekämpfung beachten. Die Entwicklung im einzelnen:

WOHNUNGSEINBRÜCHE

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging um 6,9 Prozent zurück und landete auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Es wurden 2831 entsprechende Straftaten (2019: 3040) registriert. Etwa 44 Prozent der Einbrüche blieben unvollendet. Die Polizei führt das auf Sicherheitsmaßnahmen zurück, aber auch auf stärkere Präsenz zu Hause durch Homeoffice. 26 Prozent der Einbrüche konnten aufgeklärt werden.

Kfz-DIEBSTÄHLE

Hier lag der Rückgang mit 1517 Taten bei 11,7 Prozent. Die Polizei konnte fast jeden zweiten Fall lösen. Als Grund wurde die Arbeit der «Sonderkommission Kfz», der gemeinsamen Fahndungsgruppen mit der Bundespolizei sowie den Behörden in Polen und Tschechien genannt.

GRENZKRIMINALITÄT

An der Grenze zu Tschechien und Polen stellte die Polizei 16 632 Straftaten fest - ein leichter Rückgang bezogen auf 2019. Nicht mitgezählt sind hier Verstöße im Ausländerrecht. Meist ging es um Diebstähle (36 Prozent), Sachbeschädigungen (13) und Betrug (9).

RAUSCHGIFT

Die Zahl der Drogendelikte stieg um knapp neun Prozent. Dabei wurden 14 149 Delikte registriert (2019: 13 012). Erstmals seit 2014 gab es wieder eine Zunahme bei Straftaten im Kontext von Crystal. Laut Polizei resultiert die gestiegene Anzahl aus verstärkten Kontrollen.

CYBERCRIME

Die starke Erhöhung der Straftaten im Internet um 29,1 Prozent (2020: 10 600 Fälle) ist laut Innenministerium zumindest partiell auf einen verstärkten Onlinehandel in der Pandemie zurückzuführen. Bei fast der Hälfte aller Fälle ging es um Waren- und Warenkreditbetrug.

GEWALTKRIMINALITÄT

Hier verzeichnet die Statistik einen leichten Rückgang um etwa ein Prozent auf 7569 Taten. Die Aufklärungsquote lag bei rund 81 Prozent. In diesem Bereich verringerten sich vor allem Raubdelikte deutlich.

SEXUALSTRAFTATEN

Sie stiegen im Berichtszeitraum um 351 auf 3546 Fälle an. Das entspricht einem Plus von elf Prozent. In erster Linie hängt das nach den Angaben mit einer Zunahme bei Kinderpornografie und Exhibitionismus zusammen.

HÄUSLICHE GEWALT

Die Polizei verzeichnet da einen leichten Anstieg. 9235 Fälle wurden angezeigt (2019: 8890). Die meisten betrafen Körperverletzungen (5960), die häufigsten Opfer von Gewalt waren Ex-Partner (2882), aber auch Partner von Lebensgemeinschaften (1924) und Ehepartner (1393).

TATVERDÄCHTIGE

Die sächsische Polizei ermittelte im Vorjahr 89 551 Tatverdächtige - das waren knapp drei Prozent mehr als 2019. Der Ausländeranteil lag dabei wie im Jahr zuvor bei rund 21 Prozent.

POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALITÄT

Die Kriminalität ging hier auf 4056 Fälle leicht zurück, 2019 hatte es mit 4350 einen Höchststand gegeben. Jede achte registrierte Straftat (519 Fälle) stand dabei im Kontext mit den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, hieß es. Gut die Hälfte der Taten (2117) entfiel auf die rechte Szene. Einen starken Anstieg von 76 Prozent gab es bei politisch motivierten Gewalttaten (366). Mehr als die Hälfte davon (63 Prozent) wird Linksextremen zugeschrieben.

HASSKRIMINALITÄT UND KRIMINALITÄT GEGEN MANDATSTRÄGER

Hier blieben die Zahlen mit 578 Fällen auf hohem Niveau (2019: 608). Der überwiegende Teil wird Rechten zugeordnet. Einen klaren Anstieg gab es bei entsprechenden Hasspostings im Netz (176 Fälle). «Wir haben das Thema 'Hass im Netz' als Schwerpunkt erkannt und gehen mit gezielten Maßnahmen gemeinsam mit der Justiz dagegen vor», so Wöller. Kriminalität gegenüber Amts- und Mandatsträgern stagnierte bei 168 Fällen (Vorjahr: 171).

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