Weiterführende Schulen öffnen vorerst ohne Testpflicht

11.03.2021 Ohne Corona-Test kein Schulbesuch an Gymnasien und Oberschule - so war eigentlich der Plan zur Wiedereröffnung nächsten Montag. Doch noch stehen nicht überall genügend Selbsttests zur Verfügung. Kritik gibt es nicht nur von der Gewerkschaft.

Ein Mund-Nasen-Schutz liegt in einem Klassenzimmer auf einer Schulmappe. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zum Unterrichtsbeginn an weiterführenden Schulen in Sachsen gilt vorerst keine Corona-Testpflicht. «Sobald die Selbsttests in ausreichender Stückzahl bei der Schule eintreffen, wird eine wöchentliche Testung der Schüler ab Klasse 5 verpflichtend», sagte Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) am Donnerstag. Für Personal sind dann zwei Selbsttests pro Woche Pflicht. In der aktuellen Corona-Schutzverordnung ist eine Testpflicht für Schüler ab Klasse 5 und das gesamte Personal an Schulen vorgesehen - allerdings unter der Voraussetzung, dass es genügend Selbsttests gibt. Piwarz hatte ursprünglich den 15. März als Zielmarke genannt. Die Regelung sieht vor, dass die Schule nur besucht darf, wenn ein negatives Testergebnis vorliegt.

Bis ausreichend Selbsttests vorhanden sind, können sich Lehrer und Schüler an den Schulen freiwillig einem Antigen-Schnelltest unterziehen. Diese stehen laut Ministerium an allen Schulen ausreichend zur Verfügung. Die Tests sind allerdings erst ab Klasse 7 zulässig. Die Linke im Landtag kritisierte daher, dass die Klassenstufen 5 und 6 nun ohne Tests dastünden. «Dennoch wird geöffnet, trotz hoher Fallzahlen und der Gefahr, dass sich die Mutationen ausbreiten», so die Abgeordnete Luise Neuhaus-Wartenberg. Die Grünen warnten vor einer Schulöffnung um jeden Preis. «Die Öffnung der Schulen ohne sichere Teststrategie ist aus meiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt falsch», so die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Christin Melcher. Gerade angesichts des dynamischen Infektionsgeschehens sei eine effektive Teststrategie essenziell.

«Die verpflichtenden Tests waren die Voraussetzung für die Öffnung der weiterführenden Schulen», kritisierte die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Uschi Kruse. Sie forderte, die Schulen erst zu öffnen, wenn genügend Selbsttests vorhanden seien und die Schulen genügend Zeit für die Vorbereitung hätten. Das ist aus Sicht der GEW erst nach Ostern möglich. «Ab kommendem Montag werden unbemerkt Infektionen in die Schulen eingetragen. Ganz Sachsen drohen damit Zustände, wie wir sie im Vogtland gerade erleben», so Kruse.

Das Ministerium verwies darauf, dass rund 1,5 Millionen Selbsttests bestellt wurden. Sie sollen Ende der Woche geliefert werden. Noch am Wochenende soll die Verteilung an die ersten Schulen erfolgen, hieß es. Die Selbsttests könnten ohne geschultes Personal individuell durchgeführt werden, der Abstrich werde lediglich im vorderen Nasenbereich gemacht.

Bei den Schulöffnungen dürfe man nicht allein auf die Inzidenzen schauen, betonte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Donnerstag. Tests und Impfungen von Lehrern seien wichtige Voraussetzungen, so Köpping. «Die Schulen müssen offen bleiben. Aber das geht nur, wenn man Voraussetzungen hat. Und die wollen wir jetzt schaffen.» Sie gab sich zuversichtlich, dass die Selbsttests anlaufen. «Auch wenn es sich vielleicht noch um eine Woche verschiebt.» Zudem stellte die Ministerin in Aussicht, im Kabinett darüber zu diskutieren, Lehrer generell zu impfen. Bisher können sich in Sachsen lediglich Lehrer an Grund- und Förderschulen gegen das Coronavirus impfen lassen.

Für 240 000 Schüler beginnt damit am Montag nach monatelangem Lernen zu Hause wieder der Präsenzunterricht. Allerdings in einem Wechselmodell, um kleinere Klassengrößen und damit genügend Abstand zu ermöglichen. Kitas und Schulen schließen laut derzeitigen Regeln erneut, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz von 100 in einer Region fünf Tage lang überschritten wird. So sind etwa im Corona-Hotspot Vogtland Kitas und Schulen bereits wieder geschlossen.

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