«Maximale Kraftanstrengung» gefordert

12.03.2021 In 40 Modellpraxen will Sachsen das Impfen über die Hausärzte testen. Dem Verband geht das nicht schnell genug. Und auch Städte und Gemeinden machen Druck, weil der Unmut vieler Bürger wächst.

Eine Mitarbeiterin des Impfteams überprüft eine Spritze. Foto: Thomas Frey/dpa Pool/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hausärzte in Sachsen haben die Verzögerung beim Start der Corona-Impfungen in den Arztpraxen kritisiert. «Eigentlich sollte es schon losgehen, aber noch ist nicht in allen Praxen Impfstoff da», sagte Allgemeinmediziner Klaus Lorenzen, stellvertretender Vorsitzender des Sächsischen Hausärzteverbandes, der Deutschen Presse-Agentur. Er gehört mit seiner Praxis in Langebrück bei Dresden zu den rund 40 Modellpraxen, mit denen das Gesundheitsministerium das Impfen über die Hausarztpraxen testen will. Lorenzen hatte am Donnerstag 200 Dosen des Astrazeneca-Impfstoffes erhalten.

Auch der Sächsische Städte- und Gemeindetag (SSG) forderte am Freitag mehr Tempo. «In der Einbeziehung der Arztpraxen liegt ein wesentlicher Schlüssel für die Bekämpfung der Pandemie», sagte SSG-Präsident Bert Wendsche. Mit dem derzeitigen Tempo in den Impfzentren und mit den Impfbussen werde es noch viele Monate brauchen, um eine breite Immunität zu erreichen. «Ein immer größerer Teil der Menschen bringt kein Verständnis mehr dafür auf, dass Deutschland und Sachsen sich immer länger erhebliche Grundrechtseinschränkungen auferlegen müssen, während sich der Start des Impfens in Arztpraxen immer weiter verzögert.»

Am nächsten Montag soll das Pilotprojekt mit 39 Praxen offiziell starten. Damit werde die Impfung durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzten in der Fläche erprobt, so das Gesundheitsministerium. Die ausgewählten Modellpraxen sollen dabei als Außenstellen der Impfzentren fungieren. Das Projekt läuft zunächst bis 15. April. Vorgesehen ist dafür der Astrazeneca-Impfstoff, den das Deutsche Rote Kreuz (DRK) an die beteiligten Praxen verteilt. Bis Freitag wurden laut Ministerium die teilnehmenden Arztpraxen beliefert.

Warum nicht mehr Hausärzte einbezogen werden? «Weil einfach nicht genug Impfstoff da ist», so Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD). Im Vogtland, das derzeit als Corona-Hotspot im Freistaat gilt, sollen allerdings alle Hausärzte impfen, so Köpping.

Laut Lorenzen soll in den Modellpraxen unter anderem getestet werden, wie es mit der Logistik klappt, der Einbestellung der Patienten, der Übermittlung der Impfzahlen und der Abrechnung. Mit den Erkenntnissen sollen dann nach Ostern mehr Praxen in Sachsen einbezogen werden. «Wir stehen bereit», so der Mediziner.

Hausärzte sollten bei der Verteilung des Impfstoffes eine größere Rolle spielen, forderte Lorenzen. Man könnte mit der Impfkampagne im Freistaat schon weiter sein, ist er überzeugt. «Wir sind diejenigen die täglich impfen, von der Grippeimpfung bis hin zur Tetanus-Auffrischung. Wir kennen unsere Patienten und wissen, mit wem wir es zu tun haben.» So liege etwa in seiner Praxis schon lange eine Liste mit über 80-jährigen Patienten, die zum Impfen einbestellt werden könnten.

Der Allgemeinmediziner geht davon aus, dass in einer Woche in seiner Praxis zwischen 50 und 100 Corona-Schutzimpfungen möglich sind. «Natürlich müssen wir Erfahrung sammeln und schauen, wie es angenommen wird.» Zudem sprach er sich dafür aus, für die Impfungen keinen separaten europäischen Impfausweis einzuführen. Er verwies auf den bekannten gelben internationalen Impfausweis. «Der reicht völlig aus, da braucht es kein Extra-Dokument.» Bereits seit Anfang Januar kämpfe der Verband dafür, Hausärzte stärker beim Impfen einzubeziehen. «Nur so können wir unsere rote Laterne in Sachsen loswerden», so Lorenzen.

Die Gesundheitsminister hatten sich jüngst auf die 16. Kalenderwoche (19. bis 25. April) oder früher als Starttermin für die routinemäßigen Impfungen in Arztpraxen geeinigt - sollten dies die Liefermengen zulassen. Voraussichtlich am 17. März wollen sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder mit dem Start von Corona-Impfungen in Arztpraxen befassen und über Impffragen diskutieren.

Unterdessen steigt die Corona-Neuansteckungsrate in Sachsen weiter deutlich. Das Robert Koch-Institut (RKI) bezifferte die 7-Tage-Inzidenz am Freitag auf 90,9. Am Donnerstag hatte sie noch bei 85,2 gelegen und am Mittwoch bei 75,6. Der Wert gibt die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen je 100 000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen an. Die Inzidenz nähert sich damit der 100er-Marke, die in der Corona-Schutzverordnung als kritische Grenze für Schulöffnungen und weitere Lockerungen festgelegt ist.

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