Tausende Impftermine in Sachsen gestrichen

16.03.2021 Die Infektionszahlen steigen, gleichzeitig fallen geplante Impfungen mit Astrazeneca aus. Sachsens Gesundheitsministerin zeigt sich angesichts der Corona-Lage besorgt. Auch Schulschließungen sind wieder im Gespräch.

Ein Mitarbeiter eines Impfzentrums hält eine Spritze in der Hand. Foto: Sina Schuldt/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) hat sich besorgt über die Entwicklung der Corona-Pandemie in Sachsen gezeigt. Nach der Kabinettssitzung verwies sie am Dienstag auf die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Am Dienstag habe diese Sieben-Tage-Inzidenz im Freistaat 110 betragen, zudem liege der Wert in acht Landkreisen über der Marke von 100: Vogtland, Zwickau, Erzgebirgskreis, Chemnitz, Mittelsachsen, Bautzen und Meißen.

Der Vogtlandkreis hatte mit 307,1 am Dienstag sogar den zweithöchsten Wert in ganz Deutschland. Auch die Zahl der Mutationen in Sachsen steigt: In dieser Woche wurden 1636 Nachweise registriert - mehr als doppelt so viele wie noch in der vergangenen Woche.

Eigentlich hatten sich Bund und Länder darauf verständigt, die Corona-Regeln wieder zu verschärfen, sobald die Ansteckungen pro Woche und 100 000 Einwohner die 100er-Marke im Landesschnitt überschreiten. Köpping und Kultusminister Christian Piwarz (CDU) verwiesen am Dienstag auf die Landesverordnung, wo der Inzidenzwert von 100 an fünf aufeinanderfolgenden Tagen überschritten sein muss.

In einer Videoschalte mit den betroffenen Landkreisen und der Stadt Chemnitz wolle man über die Situation diskutieren und sich ein Bild über die Lage vor Ort machen, sagte Piwarz. Am Donnerstag soll dann die Entscheidung fallen, ob Kitas und Schulen dort ab Montag schließen müssen. Im Corona-Hotspot Vogtland könne der Schulbetrieb ohnehin frühestens nach Ostern losgehen, erklärte der Minister.

Piwarz verwies auch auf die Tests an den Schulen, mit denen Sachsen über die Vorgaben des Bundes hinausgehe. So stehen an allen weiterführenden Schulen in Sachsen flächendeckend von Mittwoch an die versprochenen Selbsttests zur Verfügung. «Damit wird eine wöchentliche Testung der Schülerinnen und Schüler ab Klasse fünf verpflichtend.» Lehrer müssen sich zweimal pro Woche testen lassen. Eigentlich sollten die Tests schon ab Anfang der Woche zur Verfügung stehen. Seitdem sind Gymnasien und Oberschulen wieder geöffnet. Wer kein negatives Testergebnis vorlegen kann oder sich nicht testen lassen will, darf das Schulgebäude demnach nicht betreten.

Köpping äußerte sich auch zu Problemen nach dem Stopp für den Impfstoff von Astrazeneca: «Unsere Impfpläne werden gehörig zurückgeworfen.» Ob und wie Termine nachgeholt werden, müsse nun geklärt werden. Sämtliche Termine für die Erstimpfungen fallen aus, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) habe alle Betroffenen schriftlich informiert. Das Impfzentrum in Plauen könne derzeit nicht impfen, Impfbusse könnten nicht starten. Gleiches gelte für das Modellprojekt mit den Hausärzten, das am Montag beginnen sollte. Auch die geplante Impfoffensive im Corona-Hotspot Vogtland könne nicht wie geplant losgehen.

Insgesamt fallen laut Köpping 47 500 Impftermine im Freistaat aus; allein rund 12 500 Dosen des Astrazeneca-Präparats solle über Hausärzte verabreicht werden. Bisher wurden in Sachsen rund 463 500 Impfdosen gespritzt - das entspricht 7,8 Prozent der Bevölkerung.

Michael Albrecht, Vorstand des Universitätsklinikums Dresden, mahnte mit Blick auf steigenden Zahlen zu Vorsicht. Das Durchschnittsalter von Covid-19-Patienten auf Intensivstationen sächsischer Krankenhäuser sinke kontinuierlich. In der ersten Phase der Pandemie habe es bei über 70 Jahren gelegen. Inzwischen sei man bei etwa 60 Jahren angelangt - mit sinkender Tendenz.

Derzeit liegen rund 1000 Patienten in den Krankenhäusern; einer Prognose zufolge könnten es Ende März 1080 sein. Als «kritische Marke» nannte er 1300 Patienten - inklusive denen auf einer Intensivstation. «Dann plädiere ich für einen harten Lockdown.»

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