Osterreiten in der Lausitz mit strengen Regeln

31.03.2021 Männer im Frack und mit Zylinder reiten auf geschmückten Pferden übers Land, um die Botschaft der Auferstehung zu verkünden. Das traditionelle Osterreiten der katholischen Sorben ist ein Fest für das Auge. Diesmal findet es wegen Corona eher im Verborgenen statt.

Osterreiter sind nahe dem Spreewalddorf Zerkwitz bei Lübbenau zu sehen. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die sorbischen Osterreiter in der Lausitz dürfen am Sonntag ausziehen - mit Negativ-Test, Maske und ohne Zuschauer. Zeiten und Wege der Prozessionen werden nicht bekanntgegeben, um Menschenansammlungen zu vermeiden, sagte eine Sprecherin des Bistums Dresden-Meißen am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. «Die gute Nachricht ist: Osterreiten findet statt.» Bei einem Gespräch im Landratsamt Bautzen wurde entschieden, dass der Brauch trotz steigender Infektionszahlen gelebt werden könne. Es gelten aber strenge Regeln: Reiter sind zu einem Selbsttest am Samstag verpflichtet und müssen eine Maske tragen, wenn sie nicht im Sattel sitzen. «Beten und Singen auf dem Pferd geht ohne.»

Dawid Statnik, Vorsitzender des Bundes Lausitzer Sorben (Domowina) und selbst Osterreiter, begrüßte die Entscheidung. «Wir haben gelernt, mit Corona besser umzugehen», sagte er der Deutschen Presse- Agentur. Vermutlich würden sich aber nicht so viele Reiter wie sonst beteiligen. Dennoch soll die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi mit der jahrhundertealten Tradition verkündet werden. «Es ist eine große Herausforderung für die Osterreiter und ihre Familien, alle Vorkehrungen zu treffen. Denn es geht wie auch sonst darum, Kontakte zu minimieren.»

Dass die Botschaft nicht so wie sonst einem Massenpublikum an den Straßenrändern übermittelt werden könne, sei ein Wermutstropfen, müsse aber mit Blick auf Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln in Kauf genommen werden, betonte Statnik. Er geht davon aus, dass die Botschaft dennoch ihr Publikum findet. Schon seit Jahren würden Bilder des Osterreitens auch per Facebook und andere soziale Medien verbreitet und nicht nur von Sorben verfolgt, die im Laufe der Geschichte auswanderten und in allen Teilen der Welt verstreut leben.

Zu dem christlichen Fest ziehen die Osterreiter in der katholischen Lausitz alljährlich von Dorf zu Dorf. In Frack und Zylinder verkünden sie Ostersonntag auf festlich geschmückten Pferden die Botschaft von der Auferstehung Christi. Das Spektakel wird in der Regel von tausenden Zuschauern, darunter vielen Touristen aus dem In- und Ausland, beobachtet. Diesmal gibt es keine Informationen, wann und wo sie sind. «Die üblichen Zeiten und Strecken sind verändert», sagte die Bistumssprecherin. Die Osterbotschaft werde bei den Menschen ankommen, «auch wenn sie nicht am Straßenrand stehen können».

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