Gastwirte rüsten sich für Öffnung der Außengastronomie

06.05.2021 Ein Besuch im Biergarten? Zumindest in Dresden und Leipzig rückt das in greifbare Nähe. Sinkt die Inzidenz unter die kritische Grenze von 100, darf die Außengastronomie unter Auflagen öffnen. Die Vorbereitungen laufen - Unsicherheit bleibt.

Tische und Stühle sind in Dresden vor einem Restaurant auf dem Neumarkt aufgestellt. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Gastwirte in Dresden und Leipzig rüsten sich angesichts sinkender Corona-Infektionszahlen für eine Wiedereröffnung der Terrassen und Biergärten. «Viele Betriebe und Mitarbeiter stehen in den Startlöchern und freuen sich, überhaupt wieder arbeiten zu können», sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes Dehoga Sachsen, Axel Klein. Nach monatelanger Corona-Zwangspause sei die wirtschaftliche Lage katastrophal. Eine Wiedereröffnung der Außengastronomie sei zwar ein erster Schritt, könne die Verluste der Betriebe kaum ausgleichen, so der Dehoga-Chef.

Die neue Corona-Schutzverordnung, die ab 10. Mai in Sachsen gilt, sieht vorsichtige Lockerungen vor: Wenn die 7-Tage-Inzidenz in einer Region an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter 100 liegt, sind Übernachtungen auf Campingplätzen und in Ferienwohnungen erlaubt. Gastronomiebetriebe dürfen ihre Außenanlagen öffnen - mit Terminvergabe und Kontakterfassung sowie Negativtests, wenn mehr als zwei Hausstände an einem Tisch sitzen. Derzeit kommen aber nur die beiden Großstädte an die Grenze. Am Donnerstag lag die Wocheninzidenz laut Robert Koch-Institut (RKI) in Leipzig bei 103,5, dicht gefolgt Dresden mit einer Inzidenz von 108,8 - sachsenweit waren es 179,9.

«Die Kontaktnachverfolgung ist kein Problem, wir richten uns darauf ein», betonte Klein. Auch bei Kontrollen von Geimpften und Genesenen, die künftig mit negativ Getesteten gleich gestellt werden sollen, sieht er keine Schwierigkeiten. Das Modellprojekt in Augustusburg habe gezeigt, dass Kontrollen in Cafés und Restaurants möglich seien. Klein hofft auf die verbesserte Corona-Warn-App, die künftig zur digitalen Kontaktnachverfolgung in Sachsen genutzt werden soll. Probleme sieht der Verband eher bei der digitalen Vernetzung in den Gesundheitsämtern. «Da gibt es Optimierungsbedarf.»

Andreas Wünsche, der den Elbegarten am Blauen Wunder in Dresden betreibt, beobachtet die Entwicklung der Corona-Zahlen genau. Sobald es möglich ist, will er seinen Biergarten für Besucher öffnen. «Wir nutzen jeden Tag, den wir öffnen können.» Auch, wenn ein unternehmerisches Risiko bleibt. «Wenn die Zahlen wieder steigen, haben wir die Kühlhäuser voll, Mitarbeiter da und müssen nach wenigen Tagen wieder schließen.» Gerüstet ist der Elbegarten, der in normalen Zeiten Platz für rund 500 Menschen bietet, mit Hygienekonzepten und geschultem Personal für die Kontaktnachverfolgung.

Die Öffnung der Außengastronomie ist für Dehoga-Chef Klein aber nur ein erster Schritt. Er fordert, Gaststätten und Restaurants so schnell wie möglich unter Auflagen auch im Innenbereich zu öffnen. Den Mitarbeitern müsse dringend eine Perspektive geboten werden, sonst drohe den Betrieben im Sommer ein Personalmangel. Viele hätten sich in den vergangenen sechs Monaten bereits nach einem anderen Job umgeschaut, hieß es. Der Branchenverband kritisierte zudem die ungleiche Behandlung von touristischen Unterkünften in der neuen Landesverordnung: Erst bei einem Wert unter 50 sind auch wieder Übernachtungen in Hotels und Pensionen erlaubt - mit Buchung, Test und Kontakterfassung. «Warum soll das in einer Ferienwohnung möglich sein, im Hotel aber nicht?», so Klein.

Der Präsident des Landestourismusverbandes, Rolf Keil, sieht in den neuen Corona-Regeln zumindest eine «langersehnte Perspektive» für den Tourismus und ein Signal für einen Neustart. «Mit den wärmer werdenden Tagen, einer steigenden Impfquote und sinkenden Inzidenzzahlen gibt es zumindest Hoffnung, dass Tourismus in allen Bereichen in einem überschaubaren Zeitraum wieder möglich wird.»

Der FDP-Landeschef Frank Müller-Rosentritt hingegen warf dem Freistaat vor, mit seinen neuen Corona-Regeln zu zögerlich zu sein. «Ganz offensichtlich ist die Rettung der heimischen Wirtschaft, insbesondere von Hotellerie, Gastronomie und Tourismus kein vordergründiges Ziel.» Angesichts sinkender Infektionszahlen mahnte die FDP weitere Lockerungen an. «Die angeschlagenen Branchen Gastronomie und Tourismusbranchen werden einen weiteren Sommer ohne Gäste und Urlauber nicht überleben», so Rosentritt.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News