Wanderwitz: «Sorbische Chancen beim Strukturwandel nutzen»

11.05.2021 Über Jahrhunderte verschlang der Braunkohleabbau sorbische Dörfer im Lausitzer Revier. Der Strukturwandel soll nun beim Erhalt der Sprache und Kultur helfen - auch mit prominenter Unterstützung der Berliner Politik.

Marco Wanderwitz (CDU) steht bei seinem Besuch im Haus der Sorben vor der Reiter-Figurine «Krabat in Paradeuniform auf geschmücktem Pferd». Foto: Robert Michael/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Neuer Revier-Botschafter für sorbische Themen: Der Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), hat bei seinem Besuch am Dienstag in Bautzen dafür geworben, den Strukturwandel im Lausitzer Kohlerevier auch als Chance zu begreifen. «Die größte Herausforderung ist, dass sich die Menschen darauf einlassen müssen, den Strukturwandel zu gestalten», sagte er nach einem Arbeitsgespräch im Haus der Sorben. Durch die zugesagten milliardenschweren Fördermittel haben nach seiner Ansicht die vom Kohleausstieg betroffenen Regionen größere Chance den Strukturwandel hinzubekommen als Regionen, auf denen nicht so der Fokus liege.

Wanderwitz kam auf Einladung der Domowina - Bund Lausitzer Sorben - und der Stiftung für das sorbische Volk nach Bautzen. Aus Sicht der Minderheit ist eine der Hauptaufgaben im Strukturwandel neben der Sicherung von Industriearbeitsplätzen der Erhalt und die Förderung der sorbisch/wendischen Sprache in einer zweisprachigen Lausitz als regionales Alleinstellungsmerkmal. «Wenn man über Strukturwandel spricht, spricht man über Perspektiven. Wir wissen auch, Perspektiven sind politische Entscheidungen, auf deren Grundlage Finanzen vor Ort eingesetzt werden», sagte Domowina-Vorsitzender Dawid Statnik. In einer Arbeitsgruppe habe man in den vergangenen drei Jahren zahlreiche Ideen entwickelt, mit denen sich die Minderheit um diese Mittel bemühe. «Wir wissen, dass diejenigen, die in dieser Sprache, Kultur und Identität verhaftet sind, in der Region bleiben. Wir sehen, Sorben sind ein regionaler Standortfaktor, auch für die Arbeitswelt der Region.»

Für die Sorben und die Menschen im Lausitzer Revier ist der Rohstoff Braunkohle großer Arbeitgeber wie auch Landschafts- und Kultur-Zerstörer. In den letzten Jahrzehnten verschwanden knapp 140 sorbische Orte in den Gruben des zweitgrößten Braunkohlenabbaugebiets Deutschlands. Viele Bergarbeiter haben ihre eigenen Dörfer weggebaggert. Wanderwitz hat nun Unterstützung als »Türöffner» für sorbische Ideen im politischen Berlin zugesagt. «Ein Teil dieser Zukunft hier ist es, die sorbischen Chancen beim Strukturwandel zu nutzen und zu heben. Deshalb haben wir unter anderem zu Kultur und Medien, Wirtschaft, Arbeit und Infrastruktur diskutiert», sagte er.

Die Lausitz steht aktuell vor einem erneuten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel. Durch den Kohleausstieg bis 2038 droht der Verlust von rund 8 000 Arbeitsplätzen in der Braunkohle und von weiteren 16 000 Arbeitsplätzen bei Dienstleistern und Zulieferern.

In Deutschland leben rund 60 000 Sorben als slawische Minderheit, davon etwa 20 000 Niedersorben in der brandenburgischen Niederlausitz und 40 000 Obersorben in der sächsischen Oberlausitz.

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