Hooligan-Krawall in Dresden: Ausmaß schlimmer als befürchtet

17.05.2021 Sportlich aufgestiegen, im Ansehen abgestiegen: Dynamo Dresden steht nach Krawallen von Hooligans wieder einmal in den Schlagzeilen. Und wie immer fordert die Politik Konsequenzen.

Polizisten stehen vor dem Stadion den Fans gegenüber. Foto: Sebastian Kahnert/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das Ausmaß der Krawalle von Hooligans am Rande des Fußballspiels Dynamo Dresden gegen Türkgücü München (4:0) am Sonntag in Dresden ist schlimmer als befürchtet. In ihrem Bericht vom Einsatz, der erst in den frühen Morgenstunden am Montag endete, bezifferte die Polizei die Zahl der verletzten Beamten auf 185. Der überwiegende Anteil resultiere aus dem Bewurf mit Flaschen, Steinen und Pyrotechnik. 155 der betroffenen Beamten seien aber weiter dienstfähig; 30 Beamte könnten ihren Dienst derzeit nicht ausüben.

Elf Polizisten mussten in Krankenhäusern behandelt werden, sechs von ihnen befanden sich am Montag noch dort. Betroffen waren Beamte der Bundespolizei sowie der Sächsischen Bereitschaftspolizei. Nach Polizeiangaben wurden bei dem Einsatz insgesamt 40 Personen vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen - Männer im Alter zwischen 18 und 69 Jahren. Sie seien inzwischen wieder entlassen worden.

Die Polizei stellte während des Einsatzes 32 Straftaten fest, darunter tätliche Angriffe auf Beamte, Beleidigungen, Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz und schweren Landfriedensbruch. Weiterhin habe man 103 Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung geahndet. Es wurde eine Sonderkommission «Hauptallee» gegründet - benannt nach einem der Schauplätze des Geschehens. Sie soll die Ermittlungen zu bereits festgestellten Straftaten vorantreiben und weitere Straftaten im Zusammenhang mit dem Geschehen verfolgen.

Noch während des letzten Heimspiels von Dynamo Dresden hatten nach Polizeiangaben mehr als 500 gewaltbereite Anhänger die Polizei mit Pyrotechnik sowie Flaschen- und Steinwürfen attackiert. Da wegen der Corona-Pandemie keine Zuschauer ins Stadion durften, hatten sich etwa 4000 Fans im gegenüberliegenden Großen Garten eingefunden. Die Polizei reagierte erst nach den Angriffen auf ihre Beamten und setzte Wasserwerfer und Reizgas ein.

Nach Angaben der Feuerwehr musste während des Einsatzes von Rettungskräften die Alarmierungsstufe MANV1 ausgerufen werden. Das Kürzel steht für «Massenanfall von Verletzten». Insgesamt habe man 44 Menschen vor Ort medizinisch versorgt und den Großteil von ihnen in umliegende Krankenhäuser bringen müssen. Rettungskräfte seien von Randalierern beleidigt und verbal bedroht worden, hieß es. Auch Medienvertreter wurden attackiert und zwei von ihnen verletzt.

«Die Gewaltausbrüche gegen Polizeibeamte und Medienschaffende nach dem gestrigen Fußballspiel haben den Aufstieg von Dynamo Dresden leider völlig ins Abseits gestellt. Friedliche Fankultur sieht anders aus», sagte Innenminister Roland Wöller am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Die Polizei habe auf Deeskalation und Kommunikation gesetzt und sei dennoch immer wieder gezielt und massiv angegriffen worden. Wöller forderte wie später auch CDU-Innenpolitiker Rico Anton Stadionverbote für Gewalttäter.

Linke-Politikerin Kerstin Köditz schloss ein gezieltes Vorgehen von gewaltbereiten Anhängern nicht aus. «Die Bilder aus Dresden sind entsetzlich: Das war keine Feier von Fußballfans, die aus dem Ruder lief, sondern ein blanker und womöglich geplanter Gewaltexzess, den die Polizei lange nicht unter Kontrolle bekam», sagte Köditz.

Grünen-Innenexperte Valentin Lippmann erklärte: «Es hat sich eine vollkommene Enthemmung gezeigt. Die Angriffe auf Journalisten und Einsatzkräfte sind ein widerlicher Gewaltexzess, der durch nichts zu rechtfertigen ist (...) Vom Verein Dynamo Dresden erwarte ich eine klare und unmissverständliche Positionierung».

© dpa-infocom GmbH

Weitere News