Internationaler Kindertag: Verbesserung für Kinder gefordert

31.05.2021 Auch in einem reichen Land wie Deutschland gibt es Kinderarmut. Das gilt für Mädchen und Jungen, deren Eltern nur ein geringes Einkommen beziehen. Sie müssen im Unterschied zu Gleichaltrigen auf viele Dinge verzichten. In der Pandemie hat sich die Situation verschärft.

Ein Mann mit einem Kind auf dem Arm und einem an der Hand wirft einen Schatten auf eine mit bunten Handabdrücken bemalte Wand einer Kindertagesstätte. Foto: Peter Kneffel/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Politiker verschiedener Parteien haben zum Internationalen Kindertag (1. Juni) auf die schwierige Lage von Mädchen und Jungen in der Corona-Krise aufmerksam gemacht. Nach Ansicht von Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) dürfen sie nicht länger zu den Verlierern der Pandemie gehören. «Fehlender oder eingeschränkter Schul- oder Kitabesuch belastete die Familien in bislang nie da gewesener Weise. Der Wegfall außerschulischer Aktivitäten, zu denen auch ein vielfältiges Angebot aus dem Bereich der kulturellen Bildung gehört, erschwerte die oftmals kaum zu bewältigende Situation zusätzlich», sagte die Ministerin.

Klepsch verwies auf Angebote ihres Ministeriums für die außerschulische Bildung. Dafür stünden in diesem Jahr mehr als neun Millionen Euro bereit. «Ich wünsche mir, dass damit nicht nur coronabedingte Bildungslücken ausgeglichen, sondern Anreize geschaffen werden, die unseren Kindern und Jugendlichen echte Zukunftsperspektiven eröffnen.»

Die Linken forderten mehr Engagement im Kampf gegen Kinderarmut. «Für eines der reichsten Länder der Erde ist es beschämend, dass so viele Kinder von finanziellen Problemen betroffen sind», sagte die Zwickauer Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann. Die Corona-Pandemie habe die Einkommenssituation für viele Familien deutlich verschlechtert. «Genau betrachtet geht es bei Kinderarmut um die Armut der Eltern. Wir brauchen Löhne, von denen Familien leben können. Prekäre Beschäftigung wie Leiharbeit, Teilzeit und Minijobs müssen zurückgedrängt, der Mindestlohn in einem ersten Schritt auf mindestens 12 Euro erhöht werden.»

Auch die SPD-Politikerin Simone Lang erinnerte an die schwierige Lage der Kinder in Zeiten von Corona: «Die Corona-Pandemie hat sie vor immense Herausforderungen gestellt. Das hat mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, dass wir die Kinder in Sachsen intensiver fördern und entlasten müssen.» Besonders Kinder aus einkommensschwachen Familien würden unter der finanziellen Situation ihrer Eltern leiden: «In den letzten Jahren ist in Sachsen und Deutschland immer wieder an kleinen Stellschrauben gedreht worden, um Kinderarmut zu stoppen. Fest steht: Das hat nicht gereicht. Es braucht auf Landes- und Bundesebene radikalere Schritte, um Kinderarmut zu stoppen.»

Wie Zimmermann forderte Lang eine Kindergrundsicherung. «Der Flickenteppich an Einzelleistungen für Kinder und Familien muss beseitigt und durch ein neues Kindergeld ersetzt werden», sagte die SPD-Politikerin. Der Bildungserfolg der Kinder und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben dürften nicht vom Einkommen der Eltern abhängig sein: «Nach meinen Vorstellungen ist Bildung kostenfrei – von der Kita bis zum Master oder Meister. Wir müssen deshalb die Elternbeiträge in den Blick nehmen und hier Schritt für Schritt vorangehen, um zu einer Entlastung der Familien zu kommen.»

Die Forscher des Dresdner Ifo-Institutes verwiesen am Montag auf Regelungen zu DDR-Zeiten. «Eine längere bezahlte Elternzeit in der DDR hat zu einer höheren Zufriedenheit der Kinder im Erwachsenenalter geführt», teilte das Institut mit Verweis auf eine Studie zum sogenannten Babyjahr mit. Mit ihm wurde die bezahlte Elternzeit von fünf auf zwölf Monate verlängert. Ab 1976 durften Mütter mit mehr als einem Kind das bezahlte Babyjahr nehmen. Ab 1986 konnten dies dann auch Mütter mit ihrem erstgeborenen Kind tun.

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