Corona-Aufholprogramm: Millionen für Kinder und Jugendliche

03.06.2021 Mit Millionen-Hilfen sollen die Folgen der Corona-Pandemie für Kinder und Jugendliche in Sachsen abgemildert werden. Um Lerndefizite bei Schülern und Schülerinnen aufzuholen, sind für die nächsten zwei Jahre 47,5 Millionen Euro aus dem Bundes-Aktionsprogramm «Aufholen nach Corona» geplant, teilte das Kultusministerium am Donnerstag mit. Das Land stellt für zusätzliche Maßnahmen an Schulen Mittel in gleicher Höhe zur Verfügung. Sachsen hat eine entsprechende Bund-Länder-Vereinbarung unterzeichnet.

Eine Schülerin sitzt in einer Nachhilfeschule an einem Tisch vor einem Übungsblatt. Foto: Uwe Anspach/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Geplant sind unter anderem spezielle Förder- und Nachhilfe-Angebote, der Ausbau von Ganztagsangeboten, Ausbau von Schulassistenz und Schulsozialarbeit. «Kinder und Jugendliche hat die Isolation durch Schulschließungen besonders hart getroffen», erklärte Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Mit dem Programm könnten vor allem Schülerinnen und Schüler Unterstützung bekommen, die Hilfe am dringendsten benötigten. Laut Ministerium sollen die Schulen eigenverantwortlich über die genaue Ausgestaltung der Angebote und die Zusammenarbeit mit Partnern entscheiden.

Die Fraktion der Linke forderte, dass alle Schüler von den Angeboten profitieren müssten. Die Pandemie habe viel Präsenzunterricht verhindert, hieß es. «Das hat die soziale Spaltung vertieft, weil nur Eltern mit gut gefülltem Geldbeutel ihrem Nachwuchs daheim gute Bildung bieten können», sagte die Abgeordnete Luise Neuhaus-Wartenberg.

Zudem sollen mit dem Corona-Aufholprogramm Kinder- und Jugendfreizeiten ermöglicht und Angebote der Kinder- und Jugendhilfe ausgebaut werden. Rund acht Millionen Euro sind dafür eingeplant. «Die Jugend lässt sich nicht einfach aufholen. Das ist ein großer Unterschied zu uns Erwachsenen«, so Sozialministerin Petra Köpping (SPD). Sie appellierte an freie und öffentliche Träger, im anstehenden Sommer möglichst Freizeiten, Erholungsmaßnahmen und Camps vor Ort anzubieten, um wieder ein Stück Normalität zu ermöglichen.

Die SPD-Fraktion mahnte, frühzeitig den Blick auf die Zeit nach dem Jahr 2022 zu richten. «Was wir jetzt, mit zusätzlichem Bundesgeld, aufbauen, darf danach nicht enden», sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sabine Friedel.

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) erklärten 77 Prozent von rund 1000 bundesweit befragten Müttern und Vätern, dass die Corona-Pandemie ihr Kind belaste. Nicht in Vereinen, Sport- und Musikgruppen aktiv sein zu können, schlägt demnach mehr als 80 Prozent der 6- bis 18-Jährigen auf die Seele. Gut die Hälfte der Eltern gibt zudem an, dass sich ihr Kind durch das Lernen im Homeschooling gestresst fühlt.

Bereits vor der Corona-Pandemie haben laut einer Analyse unter KKH-Versicherten psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zugenommen. So sind die Fälle von Depressionen bei den 6- bis 18-jährigen in Sachsen von 2009 auf 2019 um mehr als Doppelte (128 Prozent) angestiegen. Im Fall von chronischer Erschöpfung stieg die Zahl um mehr als 30 Prozent.

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