Demecan baut Cannabis-Fabrik in Sachsen: Erste Ernte 2022

15.07.2021 Es gibt nur wenige Unternehmen, die in Deutschland legal und unter staatlicher Kontrolle das Rauschmittel für medizinische Zwecke anbauen dürfen. Eine Indoor-Plantage entsteht derzeit vor den Toren Dresdens.

Das Gelände der Firma Demecan. Foto: Matthias Rietschel/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wände aus Stahlbeton, Videoüberwachung und Panzertüren: Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wird künftig in Ebersbach (Landkreis Meißen) bei Dresden Cannabis für medizinische Zwecke angebaut. Ab Oktober sollen die ersten Pflanzen in speziellen Hallen wachsen, Anfang 2022 die ersten Produkte ausgeliefert werden, kündigten die Firmenchefs zum Richtfest am Donnerstag an. Das Unternehmen baut dafür einen ehemaligen Schlachthof auf einem rund 100.000 Quadratmeter großen Areal zu einer Indoor-Produktionsstätte mit Büroflächen und Labor um. Ziel sei es, Ebersbach zum deutschen Zentrum für medizinisches Cannabis auszubauen, hieß es.

Die 2017 gegründete Firma Demecan ist eines von drei Unternehmen, denen das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte den Cannabisanbau in Deutschland gestattet hat. Laut Bundesinstitut beträgt die gesamte erlaubte Anbaumenge 10.400 Kilogramm medizinisches Cannabis - zunächst über vier Jahre verteilt. Neben Demecan dürfen auch Aphria RX aus Neumünster sowie das Unternehmen Aurora medizinisches Cannabis anbauen.

Seit 2017 können sich Patienten Cannabis für medizinische Zwecke regulär vom Arzt verschreiben lassen - etwa zur Schmerzlinderung bei Schwerkranken. Seitdem hat das Mittel einen Boom erlebt. Erst vor einer Woche hat der staatliche organisierte Verkauf von Cannabis zu medizinischen Zwecken an Apotheken in Deutschland begonnen.

«Wir wollen hier nicht nur hochwertiges, medizinisches Cannabis produzieren, sondern auch weitere Produkte wie etwa Cannabisextrakte entwickeln und die Forschung vorantreiben», erklärte Adrian Fischer, Mitgründer und Geschäftsführer.

Die Pflanzen sollen in speziell entwickelten und gesicherten Hallen wachsen. Zunächst sollen es knapp 1000 Kilogramm pro Jahr sein, die an die vom Bund eingerichtete Cannabisagentur geliefert werden. Die drei Demecan-Gründer und Geschäftsführer gehen davon aus, dass der Bedarf wächst - und rüsten sich für ein späteres Hochfahren der Produktion. In Ebersbach könnten allein von der Kapazität etwa 10.000 Kilogramm pro Jahr produziert werden.

Noch sind die Hallen im Bau: Unter anderem werden derzeit Luftfilteranlagen eingebaut, um konstante Temperaturen und Luftfeuchtigkeit für die Heilpflanzen zu gewährleisten. Auch Wassertanks stehen schon. In denen wird das Wasser gereinigt und über eine automatische Düngelmittelstation angereichert. In vier Hallen sollen ab Oktober jeweils 1000 Pflanzen wachsen. Von der Anzucht von Jungpflanzen über die Vermehrung bis hin zu Blüte und Weiterverarbeitung ist vieles in Ebersbach Handarbeit. Dafür arbeiten unter anderem speziell geschulte Gärtner an dem sächsischen Standort. Insgesamt will Demecan zunächst rund 80 Mitarbeiter beschäftigen.

«Der aufwendigste Schritt im Cannabisanbau ist die Ernte, an einem Tag werden die ganzen Blüten in einem Raum geerntet», erklärte Fischer. Sind die Blüten abgeerntet, werden sie getrocknet, kontrolliert und in 50-Gramm-Portionen verpackt. Rund 150 Videokameras, freiwillige Drogentests sowie ein Sicherheitskonzept sollen möglichen Diebstahl auch in der Belegschaft verhindern.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) würdigte die Ansiedlung in Ebersbach als eine der ersten deutschen Produktionsstätten für medizinisches Cannabis. «Medizinisches Cannabis ist ein chancenreicher Markt. Produktion und Absatz nehmen weltweit stetig zu.»

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