Sachsen rechnet nach Unwetter mit Millionen-Schäden

19.07.2021 Sachsen ist beim jüngsten Unwetter glimpflich davongekommen. Kein Vergleich zu den Jahrhunderthochwassern der Jahre 2002 und 2013 und schon gar nicht zur Lage in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Dennoch soll auch im Freistaat die Vorsorge weitergehen.

Einsatzkräfte des THW (Technisches Hilfswerk) beseitigen am Krippenbach Geröll. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Sachsen rechnet nach Starkregen und Überflutungen in einigen Teilen des Freistaates mit Schäden in Millionenhöhe. Bisher sei das aber noch nicht genau beziffert, sagte Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) am Montag in Porschdorf (Sächsische Schweiz). Dort und auch in Ostsachsen hatte am vergangenen Samstag extremer Regen leichte Überschwemmungen und Erdrutsche ausgelöst. Am Sonntag hatte sich die Lage entspannt.

Laut Günther wurden Straßen, Eisenbahngleise, Brücken und Gebäude in Mitleidenschaft gezogen. Menschen seien nicht verletzt worden. Schäden sollten bei den Gemeinden angezeigt werden. Am Dienstag wolle sich das Kabinett mit den Unwetterfolgen befassen.

Nach Angaben von Günther waren in der Sächsischen Schweiz vor allem die Flüsse Sebnitz, Polenz, Lachsbach und Kirnitzsch betroffen. Auch im Lausitzer Bergland und im Zittauer Gebirge sowie in Hohenstein-Ernstthal habe es Starkregen gegeben. In einzelnen Lagen seien 130 Liter Regenwasser pro Quadratmeter binnen 24 Stunden gefallen. Normalweise liege die Jahresmenge im sächsischen Jahresmittel bei 500 bis 700 Liter. Das alles sei aber nicht zu vergleichen mit der Lage im Westen oder im Süden Deutschlands.

Günther zufolge hat das Hochwasserschutzsystem in Sachsen am Samstag funktioniert. Gleiches gelte für das Meldewesen. Der Minister appellierte an die Menschen, Vorsorge zu treffen und sich bei solchen Wetterlagen gut zu informieren. «Das Katastrophenrisiko gilt immer und überall.» Eine absolute Sicherheit werde es nie geben.

Nach Einschätzung von Birgit Lange, Betriebsleiterin in der Landestalsperrenverwaltung, sind nicht nur Anwohner von Flüssen gefährdet. Bei Starkregen laufe Wasser nach dem Schneeballprinzip zusammen. «Wasser sucht sich den geringsten Widerstand und räumt alles aus dem Weg.» Der Mensch sei immer langsamer als das Wasser.

Lange kritisierte den Umstand, dass auch in Überschwemmungs- und Risikogebieten in Sachsen noch immer gebaut wird, weil Behörden das genehmigen. Statt eine Kann-Regelung brauche man eine klare Regelung.

Nach den Worten Günthers strebt der Freistaat über seinen Landesentwicklungsplan an, die Flächenversiegelung von vier bis fünf Hektar pro Tag auf zwei Hektar zu reduzieren. Die Flächenversiegelung gilt als wichtige Ursache auch für das Ausmaß der Katastrophe im Westen. Zudem kündigte er eine «Wasserstrategie 2030» für Sachsen an. Sie soll das Wassermanagement bei Starkregen und Dürre verzahnen und auch den Hochwasserschutz einbeziehen.

Laut Günther hat Sachsen seit der Jahrhundertflut 2002 bisher 3,6 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz und das Risikomanagement gesteckt. In der Summe seien Gelder der EU und des Bundes enthalten. 75 Prozent der geplanten Maßnahmen seien umgesetzt.

Die Bahnstrecke Dresden-Prag, die wegen Bergungsarbeiten zeitweilig voll gesperrt war, wurde seit der Nacht zu Montag wieder eingleisig befahren. Nach Angaben der Deutschen Bahn kann es wegen der Beeinträchtigung des Zugverkehrs zwischen Bad Schandau und dem tschechischen Dečin weiter zu Verspätungen kommen.

Nach der Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands schickten sächsische Hilfsorganisationen Helfer in die Gebiete. Das betraf unter anderem Einsatzkräfte der Krisenintervention und Notfallseelsorge auf den Weg nach Rheinland-Pfalz, teilte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit.

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