Zweijährigen getötet: Gericht spielt Notrufmitschnitt ab

22.01.2021 Der Tod des kleinen Tim aus Querfurt hatte 2020 bundesweit für Entsetzen gesorgt. Der damalige Freund der Mutter soll den Jungen mehrfach misshandelt und schließlich zu Tode geprügelt haben. Nun beschreiben Zeugen, wie die Mutter mit ihrem Kind lebte.

Eine Figur der blinden Justitia. Foto: Sonja Wurtscheid/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines Zweijährigen hat ein ehemaliger Lebensgefährte der angeklagten Mutter Einblicke in die Umstände, unter denen der Junge aufwuchs, gegeben. Die Mutter habe gelegentlich getrunken und Cannabis geraucht, sagte der 51-jährige Mann, der nach eigener Aussage Anfang vergangenen Jahres ein Verhältnis mit der 36-Jährigen gehabt hatte, am Freitag im Landgericht Halle. Die Alleinerziehende, die noch eine Tochter hat, habe ihr Dasein größtenteils darauf beschränkt, fernzusehen, den Haushalt zu machen und zu «chillen». (Az.: 1 Ks 10/20)

Beim Wickeln des kleinen Tim sei dem 51-Jährigen aufgefallen, dass entsprechende Produkte zur körperlich Pflege des Kindes fehlten. Ansonsten habe er keine augenscheinliche Verwahrlosung des «lebensfreudigen und nachforschenden» Jungen festgestellt, sagte der gelernte Schlosser. Es habe in Tims kurzem Leben durchaus Regelmäßigkeiten im Tagesablauf gegeben. Er sei abends ins Bett gebracht worden und zusammen mit der Mutter am Morgen aufgestanden. Den leiblichen Vater, der im Prozess als Nebenkläger auftritt, habe er nie gesehen.

Die Mutter und ein anderer Ex-Lebensgefährte stehen seit Dezember 2020 vor Gericht. Der 30-jährige Mann ist wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes, Körperverletzung und Mordes angeklagt. Er soll den zwei Jahre alten Tim in der Wohnung der Mutter in Querfurt (Saalekreis) mehrfach gequält, geschlagen und getreten haben. Im Sommer 2020 soll er das Kleinkind am Ende auch getötet haben, um die Taten zu verdecken. Diese soll er laut Anklage mit einem Handy gefilmt haben.

Die Staatsanwaltschaft geht von einer sadistischen Grundeinstellung des 30-Jährigen aus. Die alleinerziehende Mutter, die noch eine Tochter hat, muss sich wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten.

Des Weiteren wurde im Prozess der Mitschnitt des Notrufes der 36-jährigen Mutter abgespielt. «Ich habe meinen zweijährigen Sohn tot im Bett aufgefunden», hörte man die offensichtlich aufgelöste Frau darin zu einem Mitarbeiter der Leitstelle sagen. Scheinbar kaum in der Lage die Wohnanschrift zu nennen, bat sie im Juli 2020 die Rettungskräfte schnellstmöglich zu kommen.

Auch ein Bericht zur molekulargenetischen Untersuchung des Kindes, der beiden Angeklagten und des Tatorts wurde am Prozesstag besprochen. Demnach seien auf diversen Gegenständen und Kleidungsstücken Blutspuren des kleinen Tim und des angeklagten Ex-Partners der Mutter gefunden worden. Ein Haar, das auf dem Gesäß des Jungen gefunden wurde, konnte dem Angeklagten zugeordnet werden.

Beide Angeklagte befinden sich seit Juli 2020 in Untersuchungshaft. Anfang Februar soll der Prozess weitergeführt werden.

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