Thronsaal der Königspfalz Tilleda wird rekonstruiert

18.03.2021 Auf der Königspfalz Tilleda, dem größten archäologischen Freilichtmuseum des Landes, tut sich was. Eine einstige Königshalle der mittelalterlichen Herrscher soll wieder entstehen.

Das Freilichtmuseum Königspfalz Tilleda. Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Freilichtmuseum Königspfalz Tilleda (Landkreis Mansfeld-Südharz) soll noch in diesem Jahr mit der Rekonstruktion der Königshalle am historischen Platz begonnen werden. «Das ist die erste komplette Rekonstruktion einer Königshalle in Europa, die sich an der ursprünglichen Bauweise orientiert», sagte Archäologe und Museumsleiter Michael Dapper der Deutschen Presse-Agentur. «Das Projekt kostet rund 1,6 Millionen Euro. Das Geld kommt aus dem Fonds für Strukturhilfemaßnahmen im Rahmen des Kohleausstiegs.»

Laut Dapper war die Königshalle Schauplatz von Versammlungen, Gerichtsverhandlungen, Empfängen und Feiern. Die Königshalle mit Thronsaal ist 30 Meter lang und 8,50 breit. Die Ausmaße sind derzeit als Umrisse mit hölzernen Pfosten markiert. «Hier haben die deutschen Kaiser des Mittelalters regiert», sagte der Archäologe. «Technisch gesehen handelt es sich bei dem Gebäude um ein Balkengerüst, dessen Wandflächen mit schmalen Hölzern ausgefüllt werden. Diese sogenannten Stabbohlen wurden an anderen Orten, außerhalb von Tilleda, in einfacher und verzierter Form gefunden.»

Neben der Wirkung der beeindruckenden Rekonstruktion sei auch geplant, das Gebäude für museale Veranstaltungen zu nutzen. Vor der Pandemie kamen jährlich rund 17 000 Besucher nach Tilleda.

Im Mittelalter hatten die Kaiser keinen festen Wohnsitz, sondern fuhren durch das Reich und regierten von der jeweiligen Pfalz, davon existierten etwa 350. Tilleda gilt als Beispiel für eine solche Herrscherresidenz.

Kaiser Otto der II. (955-983) schenkte 972 das sechs Hektar große Areal seiner Frau, der byzantinischen Prinzessin Theophanu. In Tilleda machten unter anderem die Kaiser Otto III., Konrad II. und Heinrich III. Station. Geschichte schrieb Tilleda im Jahre 1194. Damals versöhnte sich nach jahrelangem Streit König Heinrich VI. mit Herzog Heinrich dem Löwen. Im 13. Jahrhundert verfiel Tilleda.

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