WM-Traum trotz K.o.: Deines «soll noch Weltmeister werden»

21.03.2021 Nach zehn Runden war für Adam Deines Schluss. Doch trotz der Niederlage im WM-Kampf gegen Artur Beterbijew hat sich der Magdeburger mit seiner Leistung einen Namen gemacht.

Adam Deines (r) aus Deutschland schlägt Artur Beterbijew aus Russland ins Gesicht. Foto: Olga Ivashchenko/AP/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ein schwerer Treffer mit der Linken, das grüne Handtuch in der Ringecke: Der WM-Traum war für Box-Profi Adam Deines innerhalb weniger Sekunden geplatzt. Dabei hatte der Magdeburger in Moskau gegen die K.o.-Maschine Artur Beterbijew den wohl besten Kampf seiner Karriere gezeigt und dem Doppel-Weltmeister alles abverlangt. Doch der eine Treffer in der zehnten Runde war schlicht zu viel, so dass Trainer Dirk Dzemski seinen nach Punkten aussichtslos zurückliegenden Schützling aus dem Ring nahm.

«Wir wissen, dass Artur ein Finisher ist. Ich brauchte da keinen schweren K.o.», sagte Dzemski im MDR und hob die Leistung von Deines hervor: «Wir brauchen Adam noch, er soll noch Weltmeister werden. Er hat große Erfahrungen gesammelt und hat gegen ein Monster einen wirklich starken Kampf gezeigt. Für die Zukunft war das die richtige Entscheidung.»

Deines war als krasser Außenseiter in den Kampf im Megasport-Palace in der russischen Hauptstadt gegangen. Der 30-Jährige war zum Verlieren eingekauft worden. «Ich bin nicht nur hier, um meine Börse abzuholen», hatte Deines jedoch vor dem Kampf angekündigt. Und ließ schließlich im Ring vor 6000 Fans Taten folgen. Zwar war Beterbijew spätestens von der vierten Runde an drückend überlegen, doch Deines' harte Konter fanden immer wieder ihr Ziel. Das sah man am Ende auch dem Gesicht Beterbijews an, der nach seinem 16. K.o. im 16. Kampf reichlich verbeult dreinblickte.

«Adam muss sich nicht verstecken. Er gehört in diese Liga, das hat er hier gezeigt», sagte Promoter Ulf Steinforth. Die Entscheidung von Dzemski, nach dem Niederschlag umgehend das Handtuch zu werfen, war für den Manager die einzig vernünftige Lösung: «Adam hätte nie nach Punkten gewinnen können. Das war absolut richtig. Jetzt kann Adam auf diese Leistung aufbauen.»

Deines selbst, das liegt in der Natur der Sache, war nicht wirklich glücklich mit dem vorzeitigen Ende. «Ich bin ein bisschen sauer», sagte der gebürtige Russe. Aber die Gesundheit gehe eben vor. Er werde das Ganze wohl erst einmal ein paar Tage lang sacken lassen. Verständlich, denn Deines hätte der erste Profi sein können, den Beterbijew nicht mit einem K.o. aus dem Weg räumt. Und das bei dessen erstem Kampf in Russland.

«Selbst Artur ist nach dem Kampf zu mir gekommen, hat gesagt, ich sei ein krasser Kämpfer und ich soll weitermachen und nicht aufgeben», berichtete Deines. Offen ist nun, was als nächstes ansteht. Stallkollege Dominic Bösel glaubt jedenfalls, dass sich Deines in Moskau einen Namen gemacht hat. «Er soll jetzt ein paar Aufbaukämpfe machen und vielleicht kommt ja dann noch einmal die WM-Chance», sagte der Ex-Weltmeister.

Im Halbschwergewicht könnte das für Deines allerdings schwierig werden. WBC- und IBF-Champion Beterbijew weiß nun, wie stark der Magdeburger ist und dürfte ihm keine weitere Chance geben. In der WBA ist die Sache komplett unübersichtlich. Für Interims-Weltmeister Robin Krasniqi steht der Rückkampf gegen Bösel an, der reguläre Weltmeister Jean Pascal will angeblich in eine andere Gewichtsklasse und Super-Weltmeister Dimitri Biwol hat ohnehin einen vollen Terminkalender. Der Titel der WBO ist vakant, doch dort steht Deines im Ranking nicht in den Top 15.

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