Immer weniger freie Intensivbetten in Sachsen-Anhalt

13.04.2021 Die Intensivbetten in Sachsen-Anhalt werden knapper. Und Krankenhäuser und Ärzte warnen: Noch sei die Situation beherrschbar, aber der aktuelle Trend müsse gebrochen werden.

Ein Beatmungsgerät steht neben einem Bett auf der Intensivstation. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Seit Wochen zeigt die Kurve der intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Fälle in Sachsen-Anhalt steil nach oben. Zuletzt gab es laut Erhebungen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) 135 solcher Fälle landesweit - so viele wie zuletzt Mitte Februar. Und der Trend scheint ungebrochen.

Am Montag meldete die Stadt Halle eine Vollauslastung der Intensivbetten. «Eine weitere Aufnahme von Covid-Intensivpatienten ist aktuell nicht mehr möglich», hieß es. Im Burgenlandkreis sind bereits seit einer Woche die Intensivbetten voll. Dessen ungeachtet spricht die Krankenhausgesellschaft des Landes von einer «beherrschbaren» Situation. «Die Lage ist ernst, aber nicht bedrohlich und zudem regional unterschiedlich», teilte eine Sprecherin der Krankenhausgesellschaft auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag mit.

«Die Kliniken des Landes seien in den beiden Versorgungsclustern Nord und Süd unter Federführung der beiden Universitätsklinika Magdeburg und Halle gut vernetzt und koordinieren miteinander täglich die stationäre Versorgung von Covid-Patienten», sagte die Sprecherin. Auch greife im Überlastungsfall das sogenannte Kleeblatt-Verfahren, bei dem länderübergreifende Verlegungen zwischen den Kliniken organisiert würden.

Zu Wochenbeginn waren laut Lagebericht des Sozialministeriums landesweit 268 Krankenhausbetten für Covid-19-Patienten frei und 477 belegt. An Intensivbetten im Land waren insgesamt 110 frei und 707 belegt. Der Blick auf Zahlen des Divi zeigt, dass der Anteil der Covid-19-Patienten an der Gesamtzahl der Intensivbetten in Sachsen-Anhalt nur bei etwas mehr als 17 Prozent liegt. Der Anteil der freien Intensivbetten im Land beträgt 11 Prozent.

Diese Zahlen lassen die Mediziner trotz einer Notreserve und der möglichen Verlegung von Patienten aufhorchen. Auch in anderen benachbarten Bundesländern sei die Situation kritisch, sagte Hendrik Liedtke, Ärztlicher Direktor des Elisabeth-Krankenhauses in Halle jüngst der «Mitteldeutschen Zeitung». In Thüringen ist nach Angaben der Divi beispielsweise aktuell nicht einmal eines von zehn Intensivbetten frei.

Die Zahl der Corona-Intensivpatienten nehme schneller zu als ohnehin erwartet, warnen die Intensivmediziner der Divi. Die Welle der Patienten sei der Welle der Infektionen etwa 10 bis 14 Tage nachgelagert, schrieb ein Divi-Sprecher. «Solange die Infektionen also weiter hoch bleiben, werden wir das auch auf den Intensivstationen spüren.»

Da die Versorgungssituation im stationären Bereich in der Stadt Halle derzeit relativ angespannt ist, versuchen die Kliniken bereits ihrerseits gegenzusteuern. So habe die Universitätsmedizin Halle kurzfristig entschieden, die Intensivkapazitäten für Covid-19-Patienten weiter aufzubauen, teilte eine Sprecherin am Dienstag mit.

«Die angespannte Versorgungssituation liegt zum einen an einer sehr hohen Nachfrage für die dringliche Versorgung von Non-Covid-19-Patienten, die noch aus zum Teil verschobenen Eingriffen und Behandlungen durch die zweite Covid-Welle resultiert», erklärte die Sprecherin. Zum anderen ergebe sie sich aus dem wieder ansteigenden Bedarf an Intensivbehandlungen für Covid-19-Patienten der dritten Welle.

Diese dritte Welle schwappe derzeit in die Kliniken, «wo eigentlich die Pflegekräfte dringend mal eine Pause bräuchten», schrieb kürzlich die Divi. So werde täglich Patient um Patient verlegt, um Platz zu schaffen. Eindringlich warnen die Mediziner, auch wenn sie den Gau noch nicht kommen sehen: «Den großen Knall, den absoluten Notfall, den wird es in Deutschland so schnell nicht geben - weil im Hintergrund sehr viele Menschen so unheimlich hart arbeiten.» Trotzdem sei die Situation absolut kritisch.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News