CDU bleibt stärkste Kraft: Kenia-Koalition weiter möglich

23.04.2021 In sechs Wochen werden die Sachsen-Anhalter an die Wahlurnen gerufen, um einen neuen Landtag zu wählen. Eine repräsentative Befragung zeigt die Stimmung - und bescheinigt vielen Spitzenkandidaten eine geringe Bekanntheit.

Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, spricht. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Eineinhalb Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hätte das regierende Bündnis aus CDU, SPD und Grünen weiter eine Mehrheit - rechnerisch sind aber auch andere Bündnisse denkbar. Wie aus einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks hervorgeht, würde die CDU derzeit 27 Prozent der Stimmen erhalten - das sind 2,8 Prozent weniger als bei der Landtagswahl im März 2016. Die SPD läge bei 12 Prozent und damit 1,4 Prozentpunkte über ihrem Ergebnis von 2016. Die Grünen würden laut der Umfrage 11 Prozent erreichen, was einem Plus von 5,8 Prozentpunkten entspricht.

Die AfD bliebe mit 20 Prozent der Stimmen und damit einem Verlust von 4,3 Prozentpunkten zweitstärkste Kraft im Land. Die Linke verliert laut der Sonntagsfrage 4,3 Prozentpunkte und landet bei 12 Prozent der Stimmen. Die FDP könnte den Wiedereinzug in den Landtag schaffen - bei der Umfrage konnte sie ihr Ergebnis von 2016 fast verdoppeln und erreichte 8 Prozent der Stimmen - das wären 3,1 Prozentpunkte mehr als 2016. Damit wäre damit neben dem aktuellen schwarz-rot-grünen Bündnis etwa auch eine ein schwarz-rot-gelbes möglich. Eine Koalition von CDU und AfD, die rechnerisch ebenfalls möglich wäre, hat Ministerpräsident Reiner Haseloff, der wieder als CDU-Spitzenkandidat antritt, stets ausgeschlossen. Für Rot-Rot-Grün würde es nicht reichen.

Die Zufriedenheit der Sachsen-Anhalter mit der Arbeit der Landesregierung fällt durchwachsen aus. Dem Umfrageergebnis zufolge sind 46 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden mit der Arbeit der Landesregierung. 49 Prozent erklärten, sie seien weniger oder gar nicht zufrieden. Noch im vergangenen Juni hatten sich bei einer repräsentativen Befragung im Auftrag des MDR gut zwei Drittel der Frauen und Männer in Sachsen-Anhalt zufrieden oder sehr zufrieden mit der Arbeit der Landesregierung um Ministerpräsident Reiner Haseloff gezeigt. Als wichtigstes politisches Problem, das zu lösen ist, sahen die Menschen mit Abstand die Corona-Krise an. Auch Wirtschaft sowie Bildung, Schule und Ausbildung wurden genannt.

Haseloff, der als Spitzenkandidat der CDU seine dritte Amtszeit anstrebt, kommt bei der Umfrage auf bessere Zufriedenheitswerte als die Regierung. 61 Prozent der Menschen seien sehr zufrieden oder zufrieden mit Haseloffs politischer Arbeit, 32 Prozent weniger oder gar nicht. Im Juni vergangenen Jahres hatten bei einer vergleichbaren Umfrage noch 76 Prozent der Sachsen-Anhalter angegeben, sie seien zufrieden oder sehr zufrieden mit der Arbeit des Regierungschefs.

Der neue Landtag wird am 6. Juni gewählt. Ministerpräsident Reiner Haseloff strebt seine dritte Amtszeit an. Gegen den 67-Jährigen treten die Spitzenkandidatinnen Eva von Angern (Linkspartei), Cornelia Lüddemann (Grüne), Katja Pähle (SPD) sowie AfD-Spitzenkandidat Oliver Kirchner an.

Haseloffs Gegenkandidaten sind vielen Wählern nicht bekannt, wie die Umfrageergebnisse weiter zeigen: So haben 72 Prozent angegeben, den Oppositionsführer im Landtag, den AfD-Fraktionschef und Spitzenkandidaten Oliver Kirchner, nicht zu kennen. Dieselben Werte ergaben sich für die Linken-Spitzenkandiatin und Fraktionschefin Eva von Angern sowie für die FDP-Frontfrau Lydia Hüskens. Die Grünen-Spitzenkandidatin und Fraktionsvorsitzende im Landtag, Cornelia Lüddemann, kennen den Angaben zufolge 68 Prozent nicht, bei Katja Pähle von der SPD, die ebenfalls ihrer Fraktion vorsteht, sind es 69 Prozent.

Seit fünf Jahren regiert in Sachsen-Anhalt ein Bündnis aus CDU, SPD und Grünen. Bei der Landtagswahl 2016 hatte die CDU 29,8 Prozent erreicht, vor der AfD mit 24,3 Prozent, der Linken mit 16,3 Prozent und der SPD mit 10,6 Prozent. Die Grünen erreichten 5,2 Prozent. Reiner Haseloff ist seit 2011 Regierungschef in Magdeburg, zunächst hatte seine CDU ein Bündnis mit der SPD gebildet.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News