Erste Runde: Einzel- und Versandhandel ergebnislos

01.06.2021 Die Tarifverhandlungen für die 280 000 Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gestalten sich kompliziert. Jetzt drohen noch in dieser Woche Streiks.

Ein Streikender trägt eine Warnweste mit dem Verdi-Logo. Foto: Christophe Gateau/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die erste Runde der Tarifverhandlungen für rund 280 000 Beschäftigte im Einzel- und Versandhandel in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist am Dienstag ergebnislos beendet worden. «Das Angebot der Arbeitgeber ist viel zu gering. Noch in dieser Woche werden wir in ausgewählten Betrieben in Mitteldeutschland zu ersten Streikmaßnahmen aufrufen», sagte Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago nach der ersten Gesprächsrunde in Leipzig. Die nächste Gesprächsrunde sei für den 24. Juni ebenfalls in der Messestadt angesetzt.

Die Gewerkschaft fordert 4,5 Prozent mehr Lohn und einen Zuschlag von 45 Euro im Monat, sowie ein Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde. Außerdem soll der neue Tarifvertrag eine verkürzte Laufzeit von zehn Monaten haben, um eine Angleichung an die anderen Bundesländer zu vollziehen.

«Solche Forderungen sind selbst ohne Krise kaum zu erwirtschaften. Dass die Gewerkschaft sich bei Ihrer Forderung nur auf die Unternehmen konzentriert, die vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen sind, ist unverantwortlich», sagte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber Thomas Jäkel.

Die Arbeitgeber hatten ein differenziertes Angebot für einen 36-monatigen Tarifvertrag vorgelegt und dabei nach der Pandemiebetroffenheit unterschieden. Die Unternehmen, die 2020 gut durch die Corona-Krise gekommen sind, sollen ab August 2021 die Entgelte ihrer Mitarbeiter um 2,4 Prozent erhöhen, 1,4 Prozent davon im Wege einer monatlichen Einmalzahlung. Die anderen Betriebe sollen hingegen erstmals im April 2022 die Tarifentgelte um ein Prozent anheben.

Beide Seiten hatten bereits zu Beginn der Gespräche schwere Verhandlungen erwartet. «Es wird einen Spagat geben müssen, um eine Lösung für alle zu finden», sagte Knut Bernsen, Landesgeschäftsführer des Handelsverbandes Thüringen, am Dienstag zum Auftakt der Verhandlungen. Der Online-Handel habe bis zu 30 Prozent zugelegt. Dagegen sei in den Innenstädten, vor allem in der Bekleidungsbranche, ein Rückgang von bis zu 80 Prozent zu verzeichnen.

«Gut zwei Drittel des Handels profitiert von den Umsatzsteigerungen in den zurückliegenden Monaten. Vor allem der Versand- und Onlinehandel, der Lebensmittelhandel sowie Baumärkte und der Möbelhandel. Manche können vor Kraft nicht mehr laufen», sagte Verdis Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago zu Beginn der Gespräche. Demnach stieg in Sachsen der Umsatz im Vorjahr um 7,0, in Sachsen Anhalt um 5,0 und in Thüringen um 4,8 Prozent.

Die Beschäftigten hätten mit erheblichem Einsatz dafür gesorgt, dass die Versorgung nicht abbricht, betonte Lauenroth-Mago. Trotzdem verdienten die Verkäuferinnen und Verkäufer deutlich unter dem Durchschnitt.

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