Hoffen auf viel Publikum: Premieren ab Herbst

08.07.2021 In der Kasse fehlt das Geld. Die Theater in Halle und Dessau-Roßlau wollen mit einem vielfältigen Angebot das Publikum zurückgewinnen - und online sogar noch mehr dazu.

Ein Wasserspiel vor der Oper in Halle/Saale. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit gut 40 Premieren von Theater und Ballett sowie Konzerten der Staatskapelle starten die Bühnen Halle im September in die neue Spielzeit. Das Programm sieht neue Aufführungen wie auch coronabedingt verschobene Inszenierungen vor Publikum vor. Dazu gehört das Schauspiel «Die Schutzbefohlenen» der Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek am «neuen theater», das allein zwölf Premieren geplant hat.

Zudem gebe es an den Bühnen, die wie auch die Staatskapelle und das Ballett unter dem Dach der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle (TOOH) vereint sind, digitale Angebote. «Wir gehen hoffentlich in eine wunderschöne Spielzeit», sagte TOOH-Geschäftsführerin Uta van den Broek am Donnerstag. «Wir werden neue Wege beschreiten, aber das Kerngeschäft bleibt, vor Publikum zu spielen», betonte der Intendant des «neuen theaters», Matthias Brenner.

Die Pandemie habe vieles im Leben verändert. «Wir müssen neu lernen und nichts selbstverständlich nehmen», sagte Brenner. Die Bühne wolle sich weiterhin mit künstlerischen Mitteln politisch einmischen, unterstrich er. Die Oper Halle bringt unter der Regie des neuen Intendanten Walter Sutcliffe von Benjamin Britten «Ein Sommernachtsraum» als erstes Stück (18. September) in der neuen Spielzeit auf die Bühne. Das Puppentheater in der Intendanz von Christoph Werner startet zuvor (10. September) mit «Der kleine Prinz» von Antoine de Saint-Exupéry.

Das Ballett im Opernhaus beginnt mit «Art*House» in der Choreographie von Michal Sedláček die Spielzeit 2020/2021 (24. September). Die Staatskapelle Halle will nach eigenen Angaben mehr junges Publikum gewinnen - etwa durch die Zusammenarbeit mit einem DJ.

Die Corona-Pandemie hatte 2020 zu einem Abbruch des laufenden Spielbetriebs mit Schließung der Häuser und dem Ende von Aufführungen des Balletts und der Staatskapelle Halle vor Publikum geführt. Ähnlich war die Situation am Anhaltischen Theater Dessau. «Es ist Zeit, wieder die Kunst in den Vordergrund zu stellen», sagte Generalintendant Johannes Weigand bei der Vorstellung des Spielplans des Hauses mit fünf Sparten.

Das Schauspiel eröffnet die Saison in Dessau-Roßlau mit Schillers «Die Räuber». Insgesamt 25 Premieren stehen am Anhaltischen Theater Dessau auf dem Programm. Hinzu kommen Produktionen, etwa in Zusammenarbeit mit der Stiftung Bauhaus Dessau unter dem Motto «staging the bauhaus».

Während der Pandemie gab es wie an anderen Bühnen in Deutschland auch verstärkt digitale Angebote. Diese reichten aber den Angaben nach nicht aus, um die Verluste auszugleichen und künstlerisch den direkten Kontakt zum Publikum zu ersetzen. «Die Einnahmen sind in den Keller gerutscht. Wir konnten nur überleben durch Kurzarbeit», sagte die TOOH-Geschäftsführerin van den Broek. Sie verwies zugleich auf Hilfsprogramme.

Von den ursprünglich in Halle 2020 geplanten rund drei Millionen Euro an Einnahmen durch den Ticketverkauf waren es am Ende nur rund 915.000 Euro. Statt 210.000 Besucher kamen nur 57.000, von 1015 Veranstaltungen fanden wegen der Corona-Pandemie nur 367 statt.

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