Frühlingsboten am Himmel: Zugvögel kehren zurück

07.03.2021 Es zwitschert wieder in Gärten und Parks: Zu den Vögeln, die in Thüringen das ganze Jahr heimisch sind, kommen nun auch wieder die Zugvögel dazu. Erste Störche wurden bereits gesichtet.

Der als früher Rückkehrer bekannte Storch sitzt in einem Nest. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit dem Frühling kehren auch viele Zugvögel nach Thüringen zurück. Etwa 20 bis 30 verschiedene Arten seien bereits angekommen, sagte Vogelexperte Klaus Lieder auf Anfrage. In Etappen bis Mai würden Zugvögel eintreffen - abhängig davon, wie groß die Entfernung ist, die sie von ihren Winterquartieren zurücklegen müssten, so der Sprecher des Landesfachausschusses Ornithologie beim Thüringer Naturschutzbund (Nabu) in Jena.

Gesichtet worden seien bereits die ersten Störche, aber auch Stare. Im März kämen beispielsweise Bachstelzen und Hausrotschwanz, im April Schwalben und Kuckuck und im Mai der wärmeliebende Wachtelkönig.

Unter den Weißstörchen, die vor allem im Werragebiet zwischen Wasungen und Eisenach sowie im Thüringer Becken nisten, gehörten die aus Spanien und Nordafrika zu den frühen Ankömmlingen. «Sie beginnen auch etwa drei Wochen früher mit dem Brüten als die, die in Ost- und Südafrika überwintert haben», sagte Lieder. Es gebe aber auch Störche, die in Thüringen über den Winter blieben.

Die ganz frühen Rückkehrer unter den Zugvögeln hätten es in diesem Jahr durch die starken Schneefälle und den klirrenden Frost im Februar schwer gehabt. Dazu gehörte der in Thüringen vom Aussterben bedrohte Kiebitz, der 2021 als Vogel des Jahres vorgeschlagen sei. Der Brutpaarbestand im Freistaat werde derzeit auf 100 geschätzt. Kurzstrecken-Zugvögel wie Kiebitz oder Feldlerchen und Stare hätten wegen rauen Bedingungen versucht, in wärmere Gefilde zurückzufliegen. Ornithologen würden dieses Verhalten Winterflucht nennen.

Insgesamt sei die Bedrohung der Zugvögel hoch, schätzte der Experte ein. Durch die verstärkte Wüstenbildung in Afrika hätten sie immer längere Strecken ohne Futter und Wasser zu überbrücken. «Für viele Arten sind aber auch die Umweltbedingungen in Deutschland schlecht.»

Durch den Chemikalieneinsatz in der Landwirtschaft gebe es immer weniger Bodeninsekten, Feld- und Straßenränder würden früh gemäht, so dass Wildkräuter keine Samen entwickeln könnten. Probleme mache auch die Trockenheit der vergangenen Jahre. Hinzu komme die einseitige Fruchtfolge in der Landwirtschaft vor allem für die Bestückung von Biogasanlagen. Raps- und Wintergetreide seien schnell so hoch gewachsen, dass beispielsweise Feldlerchen darin nicht mehr brüten könnten.

Angesichts des Nahrungsmangels könnten Wildvogel weiter gefüttert werden. Im Frühjahr würden sie so bei der Aufzucht ihrer Jungen unterstützt, sagte Lieder. «Wer es sich leisten kann und Spaß daran hat, sollte Vögel das ganze Jahr füttern.»

Aber es gibt auch positive Entwicklungen in der Vogelwelt: Weißstörche zogen 2020 in Thüringen - auch dank der Mäuseplage - so viele Junge auf wie jahrzehntelang nicht. Insgesamt wurden 171 Jungstörche flügge. 2019 waren es 142.

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