Statistik: Besonders berufstätige Frauen von Krise betroffen

08.03.2021 Frauen in Thüringen sind besonders stark in Berufen vertreten, die in der Corona-Krise als systemrelevant gelten. Nach Angaben des Statistischen Landesamts sind sie vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen tätig. Auch der Bereich Erziehung und Unterricht sei weiterhin zu einem hohen Prozentsatz Frauensache. «Gerade in der Corona-Krise hat sich gezeigt, wie sehr unsere Gesellschaft noch immer von Männern dominiert wird und dass Frauen, die in Bereichen, die die Hauptlast einer solchen Krise tragen, immer noch extrem unterbezahlt sind», sagte der Chef der Staatskanzlei, Benjamin-Immanuel Hoff (Linke), anlässlich des Internationalen Frauentages.

Benjamin-Immanuel Hoff (Die Linke), Kulturminister von Thüringen, spricht. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

51 Prozent der Thüringer sind laut Statistik weiblich - insgesamt leben rund 927 000 Frauen und Mädchen im Freistaat. In der Pandemie sind den Angaben zufolge mehr Frauen in die Grundsicherung gerutscht als Männer. So arbeite jede zweite Frau in Thüringen in Teilzeit, aber nur zehn Prozent der Männer. 90 Prozent der Alleinerziehenden seien Frauen.

Der Vorsitzende des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen, Michael Rudolph, forderte die Landesregierung auf, sich für eine verlässliche Absicherung von Familien, die ihre Kinder zu Hause betreuen müssen, einzusetzen. Das erweiterte Kinderkrankengeld sei ein guter Ansatz gewesen, um ein weiteres Auseinanderdriften der Arbeitszeitlücke abzufedern, sagte Rudolph. Nur mit einer Regelung, die den gesamten Zeitraum der Pandemie abdecke, könne jedoch «einem Rollback der Geschlechterrollen entgegengewirkt werden».

Dass Kinderbetreuung als unbezahlte Arbeit nach wie vor vor allem von Frauen übernommen wird, nannte Rudolph «beschämend». «Es zeigt sich in der Krise einmal mehr, dass sich auch die Betriebskultur ändern muss.»

Am 8. März ist Internationaler Frauentag. Die Geschichte des Frauentags begann 1908 in den USA und wurde in den Folgejahren in Europa - und später weltweit - aufgegriffen. An diesem Tag wird seit mehr als 100 Jahren weltweit auf die Gleichstellung der Geschlechter, bestehende Diskriminierungen und den nötigen Einsatz für Frauenrechte aufmerksam gemacht. Frauen werden weltweit noch immer benachteiligt.

«Jeder Tag ist Frauentag», sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Die Gesellschaft müsse sich jederzeit und an jedem Ort gegen Sexismus, Ungleichheit und Unterdrückung einsetzten, mahnte er.

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