Radler in Thüringer Städten eher unzufrieden

16.03.2021 Fahrradläden kommen in Thüringen kaum hinterher mit der Arbeit, und auch bundesweit boomt das Radfahren gerade in der Corona-Pandemie. Doch die Städte im Freistaat machen die Radler wenig glücklich - wie eine Befragung zeigt, gibt es Aufholbedarf.

Ein Radfahrer fährt auf einem Fahrradstreifen. Foto: Uli Deck/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Auf einem Radweg parkt ein Auto, ein anderer ist von vornherein zu eng: Vor allem Thüringens größere Städte sind einer Befragung zufolge wenig fahrradfreundlich. Aus Sicht der Fahrradfahrer sind etwa Radwege zu schmal und häufig von falschparkenden Autos blockiert, wie aus dem Fahrradklima-Test 2020 hervorgeht, den der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) am Dienstag vorgestellt hat. Die Durchschnittsnote für Thüringen sackte demnach von 4,0 (2018) auf 4,2 bei der aktuellen Befragung ab. Auch bundesweit gab es mit 3,9 nur ein «ausreichend».

Ein besonderer Quell der Unzufriedenheit sei etwa die Führung für Radfahrer an Baustellen gewesen, sagte Friedrich Franke, Thüringens ADFC-Landesvorsitzender. «Von Autofahrern wird auch nicht verlangt, dass sie aussteigen und schieben.» Relativ positiv bewerteten die Teilnehmer immerhin, dass die Innenstädte in Thüringen mit dem Rad gut zu erreichen seien und in den meisten Städten das Rad ein zügiges Vorankommen ermögliche.

2788 Menschen hatten sich bei der Umfrage zum Fahrradklima-Test des ADFC in Thüringen beteiligt. Dabei wurden 14 Städte genauer betrachtet. Bundesweit beteiligten sich 230 000 Menschen. Bei den Fragen ging es unter anderem um das Sicherheitsgefühl der Radler, Konflikte mit Fußgängern oder Autofahrern oder um die Qualität von Radwegen.

«Der Leidensdruck steigt», sagte Franke. Schon vor zwei Jahren sei die Situation für die Radfahrenden unbefriedigend gewesen, aber gebessert habe sich kaum etwas. Vor allem die Kommunen seien gefragt, mehr für den Radverkehr in den Städten zu tun. Obwohl zuletzt die Corona-Pandemie dem Radverkehr viel Schwung verpasst habe, hätten Thüringer Städte auf diese Entwicklung kaum reagiert.

«Es gibt in den Radwegenetzen noch empfindliche Lücken, die viele Menschen vom Radfahren abhalten, weil sie sich nicht sicher fühlen. Es mangelt aber an politischem Willen, diese Lücken zu schließen», kritisierte Franke.

Im Vergleich zu anderen Städten der jeweiligen Größenordnung in ganz Deutschland schnitten demnach vor allem Gotha (Rang 407 von 415) und Nordhausen (396 von 415) schlecht ab. Auch Erfurt (Platz 18 von 26), Gera (74 von 110) und Weimar (80 von 110) lagen im Bundesvergleich im unteren Durchschnittsbereich. Sömmerda (Rang 9 von 418) und Ilmenau (24 von 415) schafften es dagegen auf bessere Platzierungen.

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