Vier Thüringer Landkreise sollen Extra-Impfdosen bekommen

19.03.2021 Die Corona-Inzidenz in Thüringen liegt bundesweit am höchsten. Ministerpräsident Ramelow zeigt sich besorgt, dass sich auch viele junge Menschen infizieren. Jetzt profitiert das Land von einem Sonderkontingent - aber das reicht noch nicht.

Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen, gibt ein Statement zu den Impfgipfel-Ergebnissen. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie sollen Thüringens Hotspot-Landkreise zusätzliche Impfstoffmengen bekommen. Das kündigte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Freitag nach Beratungen von Bund und Ländern in Erfurt an. Demnach erhalte der Freistaat rund 30 000 Extra-Impfdosen aus einem EU-Sonderkontingent. Dagegen gehen an Bayern und Sachsen jeweils 100 000 Dosen, ans Saarland 80 000 und 20 000 an Rheinland-Pfalz.

Sie alle stammen aus einer zusätzlichen Lieferung von insgesamt vier Millionen Dosen vom Hersteller Biontech/Pfizer an die EU. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hatte angekündigt, das Zusatzpaket sei ausgehandelt worden, um gezielt in Corona-Hotspots stärker impfen zu können. Deutschland verteilt davon rund 580 000 Dosen. Davon sollen rund 250 000 Impfdosen an die Hausarztpraxen gehen, damit diese bereits nach Ostern mit dem Impfen beginnen können. Ramelow kündigte an, dass nach Ostern auch in Thüringen die Hausarztpraxen mit dem Impfen starten könnten.

Die Extra-Dosen Impfstoff für die Hotspot-Gebiete sollen in Thüringen an die am schlimmsten von der Pandemie betroffenen Landkreise gehen. Demnach sollen die Kreise Greiz, Wartburgkreis, Saale-Orla-Kreis und Schmalkalden-Meiningen jeweils 7500 Impfdosen zusätzlich bekommen.

Laut Ramelow sei vor allem die Region im Grenzgebiet zum sächsischen Voigtlandkreis betroffen. «Es sind mittlerweile sehr viele Kinder und Jugendliche, die das Virus tragen - und keine Symptome haben», sagte Ramelow. Es zeige sich, dass etwa im Landkreis Greiz vor allem die britische Mutante des Coronavirus verbreitet sei.

Der Landkreis Greiz ist derzeit bundesweit die Region mit der höchsten Sieben-Tage-Inzidenz. Der Wert lag dort am Freitag bei 533,9 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen. Auch Thüringen selbst ist seit Wochen deutschlandweit das Bundesland mit den höchsten Inzidenzwerten. Schon in wenigen Tagen könnte der Freistaat bei mehr als 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen liegen. Zuletzt lag der Wert am Freitag bei knapp 187 - Tendenz steigend.

Ramelow betonte, dass er in dieser Woche mehrfach bei der Bundeskanzlerin dafür geworben habe, dass Thüringen zusätzliche Impfdosen für die Corona-Hotspots bekomme. In einer Protokollnotiz zum Impfgipfel von Bund und Ländern ließ Thüringen hinterlegen, dass der Freistaat es begrüßt hätte, «wenn die Einbindung der Hausarztpraxen in die Regelversorgung erst ab der 15. Kalenderwoche begonnen hätte, damit aus dem EU-Sonderkontingent mehr Impfstoffe für die Hochinzidenzgebiete zur Verfügung stehen.»

Ramelow zeigte sich erleichtert, dass der Impfstoff von Astrazeneca weiterhin verwendet werden kann. «Ich bin froh, dass wir an dieser Stelle sagen können: Ärmel hoch, weiter geht's», sagte der Regierungschef. Auch er selbst würde sich mit Astrazeneca impfen lassen, wenn er an der Reihe wäre.

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