Gewalt gegen Frau: Gericht verurteilt Mann zu Haftstrafe

12.05.2021 Alle drei Tage wird statistisch gesehen in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. In Neustadt an der Orla starb im Juni 2020 eine Frau, nachdem ihr Partner sie brutal prügelte. Ein Gericht hat ihn nun verurteilt.

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in der Hand. Foto: picture alliance / David Ebener/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Letzten Endes ist das der traurige Höhepunkt einer anderthalb Jahre langen gewaltsamen Beziehung», sagte der Vorsitzende Richter Uwe Tonndorf. Im Prozess um den Tod einer Frau aus Neustadt an der Orla am Landgericht Gera wurde am Mittwoch das Urteil verkündet: acht Jahre Haft für den angeklagten früheren Partner der 32-Jährigen. Das Gericht verurteilte ihn wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen.

Bei dem Schuldspruch geht es um die Tat des Mannes im Dezember 2019, als er mit einer Axt die Arme der Frau attackierte. Im Juni 2020 hatte er zwei Tage in Folge massiv auf seine Freundin eingeprügelt und danach keine Hilfe geleistet. Die 32-Jährige starb kurz darauf.

So einen massiven Fall häuslicher Gewalt habe er in 15 Jahren noch nicht verhandelt, so der Richter im Beisein zahlreicher Angehöriger des Opfers. «Sie haben massive Schuld auf sich geladen», sagte Tonndorf zu dem 43-jährigen Angeklagten.

Der Richter warf dem Mann vor, mit großer Brutalität vorgegangen und für den Tod der Frau mitverantwortlich zu sein. Das Landgericht sah es jedoch nicht als erwiesen an, dass er seine Freundin im Juni 2020 durch Schläge auf den Kopf und ihren gesamten Körper hatte töten wollen.

Der ursprüngliche Tatvorwurf des Mordes konnte im Verlauf des Verfahrens nicht belegt werden. Die Lungenembolie der Frau sei zwar tödlich gewesen, habe sich aber nicht sicher auf die massiven Verletzungen der 32-Jährigen zurückführen lassen, hieß es in einem rechtsmedizinischen Gutachten.

In ihren Plädoyers waren demnach sowohl der Staatsanwalt als auch der Verteidiger des Angeklagten von einer mehrjährigen Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung ausgegangen. Die Staatsanwaltschaft hatte 8,5 Jahre gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Gewalt in Intimbeziehungen, dem sogenannten «häuslichen Bereich», sind laut Thüringer Polizei nur selten Einzelfälle. Häusliche Gewalt sei vielfach ein Seriendelikt. Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet, wie Statistiken des Bundeskriminalamts zeigen. Durchschnittlich jeden Tag versucht demnach ein Ehemann, Partner oder Ex-Partner in Deutschland, seine (Ex-)Partnerin zu töten.

Wie sich im Laufe des Prozesses zeigte, war der Verurteilte schon früher in Beziehungen gewalttätig gewesen. Bereits 2019 war er wegen gewalttätiger Übergriffe auf eine frühere Freundin vom Amtsgericht Pößneck verurteilt worden. Erst eine Woche vor der Tat war er von einem Pößnecker Richter ermahnt worden, seine derzeitige Lebensgefährtin nicht zu misshandeln und an eine Präventionsorganisation verwiesen worden.

«Wenn Sie als freier Mann den Strafvollzug dann nach einigen Jahren verlassen werden und sollten wieder Gewalt gegen Frauen ausüben, dann sind Sie ein echter Kandidat für die Sicherungsverwahrung», warnte Richter Tonndorf den 43-Jährigen.

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